Panorama

Mobilität nimmt wieder zu RKI-Vize fürchtet neuen Corona-Schub

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RKI-Vizechef Lars Schaade: "Für Entwarnung ist es zu früh."

(Foto: REUTERS)

Die Inzidenz in Deutschland stagniert auf hohem Niveau - RKI-Vizechef Schaade warnt jedoch davor, dass die Fallzahlen wieder ansteigen könnten. Ein Warnhinweis sei die gestiegene Mobilität. Gesundheitsminister Spahn ruft das Land zum Durchhalten auf.

In Deutschland hat sich die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz auf hohem Niveau eingependelt, meint Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). "Die Fallzahlen scheinen im Moment nicht mehr so rasant anzusteigen." Der Effekt könne mit geringerer Mobilität über Ostern zu tun haben, viele Menschen seien den Daten zufolge nicht verreist. "Damit haben Sie alle das Virus etwas gebremst."

Allerdings warnte Schaade, dass die Mobilität inzwischen wieder zugenommen habe. "Damit steigt auch die Gefahr, dass Fallzahlen weiter ansteigen." Für Entwarnung sei es also zu früh. Pro Woche stürben in Deutschland 1000 Menschen an Covid-19. In den Krankenhäusern stiegen die Zahlen vor allem bei den 35- bis 59-Jährigen.

Nach Zahlen vom heutigen Freitag haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI binnen eines Tages 27.543 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Am Freitag vor einer Woche waren es 25.831. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt laut RKI aktuell bundesweit bei 164 und damit etwas höher als am Vortag (161,1).

Schaade rief zu Solidarität mit den noch ungeimpften jüngeren Gruppen in der Bevölkerung auf: Viele jüngere Menschen hätten sich in der Pandemie stark eingeschränkt und so gefährdete Ältere und Risikopatienten geschützt. "Wir müssen uns bitte noch weiter einschränken, damit auch diese Personen eine Chance haben, sich impfen zu lassen, bevor das Virus sie erwischt." Auch für die Jüngeren und Gesunden sei das Virus nicht harmlos, sie könnten ebenfalls schwere Verläufe erleiden. Zudem drohten Langzeitfolgen, ein Phänomen, das als Long Covid bekannt ist.

Spahn dämpft Erwartungen bei Impfung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dämpft unterdessen Erwartungen, dass bereits im Juni jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden kann. Die voraussichtliche Aufhebung der Priorisierung im Juni "heißt nicht, dass wir innerhalb von einer Woche gleich jedem einen Termin machen" und im Juni schon alle impfen können, sagte Spahn. "Das wird bis in den Sommer hinein gehen müssen."

Er hatte am Donnerstag angekündigt, dass im Juni voraussichtlich die Priorisierungen aufgehoben werden können, die den Zugang zu den Impfungen bislang noch an bestimmte Voraussetzungen knüpfen. Möglich werden soll dies durch die deutlich gestiegene Menge an Impfstofflieferungen.

Bislang sind rund 18,5 Millionen Deutsche mindestens einmal geimpft. Das entspricht einer Quote von etwa 22 Prozent. 7 Prozent haben einen vollen Schutz aus Erst- und Zweitimpfung.

Bundesnotbremse "sehr starker Freiheitseingriff"

Angesichts der ab Samstag geltenden bundeseinheitlichen Notbremse zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die unter anderem nächtliche Ausgangssperren vorsieht, rief Spahn die Menschen zum Durchhalten auf. Die Ausgangsbeschränkungen stünden seit Anfang März mit Beschluss von Bund und Ländern ab einer Inzidenz von 100 im Instrumentenkasten bereit und würden jetzt umgesetzt, sagte er. Auch die Kontaktbeschränkungen seien "ein sehr starker Freiheitseingriff".

"Das ist hart, das fällt schwer, jedem von uns", sagte Spahn. "Aber es ist für eine Übergangszeit." Jetzt gehe es darum, die Welle zu brechen, um dann mithilfe von Tests deutlich mehr öffnen zu können. Spahn nannte dabei die Außengastronomie, Theater, Einzelhandel und Fußball. "Sommer klingt im April noch weit weg, aber in Wahrheit ist es nicht so weit."

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

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