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Prozess in Mönchengladbach Raser muss nach tödlichem Unfall in Haft

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Ein Kreuz erinnert an der Unfallstelle an den verstorbenen Fußgänger.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein 29-jähriger Autofahrer heizt mit hohem Tempo durch die Innenstadt von Mönchengladbach und erfasst dabei einen Fußgänger. Der 38-jährige Passant stirbt an den Folgen der Kollision. Nun hat das Landgericht ein Urteil gegen den Raser gefällt.

Ein 29 Jahre alter Innenstadt-Raser ist wegen der Tötung eines Fußgängers in Mönchengladbach zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte den 38-jährigen Passanten mit seinem Wagen bei weit überhöhter Geschwindigkeit erfasst. Das Landgericht Mönchengladbach sprach ihn der fahrlässigen Tötung schuldig und ging beim Strafmaß über die Forderung des Staatsanwalts hinaus. Ein 26 Jahre alter Autofahrer wurde wegen Unfallflucht zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Laut Augenzeugen war ein illegales Rennen im Gange, als es zu dem Unfall kam. Ein Autofahrer habe den anderen abgedrängt, der sei auf die Gegenfahrbahn ausgewichen. Dann kam der Fußgänger in die Quere. Doch das Gericht sah dies anders: Der 29-Jährige habe sich möglicherweise zu einem illegalen Rennen herausgefordert und angestachelt gefühlt, führte der Vorsitzende Richter aus. Entsprechend rücksichtslos sei er durch die niederrheinische Stadt gerast.

Wagen erfasste den Fußgänger mit 90km/h

Eine Verabredung und eine Aufforderung zu einem Rennen habe man aber nicht feststellen können. Die zwei beteiligten Autofahrer hätten zurückgesteckt und den Fuß vom Gaspedal genommen - der eine früher, der andere später. Daher ging das Gericht nicht davon aus, dass ein Rennen im Gang war, als der Wagen des 29-Jährigen auf vierspuriger Straße den Fußgänger erfasste und durch die Luft katapultierte. Erlaubt war an der Stelle Tempo 40, Sachverständige errechneten eine Geschwindigkeit beim Aufprall von 80 Stundenkilometern. Der 29-Jährige hatte noch gebremst, dürfte aber über 90 km/h schnell gewesen sein. Auf dem Beifahrersitz stieß der Bruder noch einen Warnruf aus: "Fußgänger!" Zu spät. Der 38-Jährige hatte keine Chance, starb noch am Unfallort an seinen schweren Kopfverletzungen.

Der 29-Jährige aus Schwalmtal stellte sich nach dem Unfall der Polizei und war nach wenigen Stunden wieder auf freiem Fuß. Er gestand, viel zu schnell gewesen zu sein, bestritt aber, sich ein Rennen geliefert zu haben. Einige Monate später klagte ihn die Staatsanwaltschaft wegen Mordes an. Es drohte lebenslange Haft. Doch das Gericht ließ den Mordvorwurf nicht zum Prozess zu. Es konnte keinen Tötungsvorsatz erkennen. Deshalb wurde gegen den 29-Jährigen nur wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verhandelt. 

Mönchengladbach hatte bis dahin keine großen Probleme mit illegalen Autorennen - anders als andere Städte wie das nahe Köln, wo nach mehreren schlimmen Unfällen eine Ermittlungsgruppe der Polizei installiert wurde, um die Raser-Szene in Schach zu halten. Nach dem Unfall waren die Strafen für illegale Autorennen verschärft worden. Wird dabei jemand schwer verletzt oder getötet, drohen den Verursachern jetzt bis zu zehn Jahre Haft. Schon der Versuch eines Rennens ist inzwischen strafbar. Auf den Mönchengladbacher Fall kann dies rückwirkend nicht angewendet werden. 

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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