Panorama

"Viele negative Rückmeldungen" Ravensburger nimmt Winnetou-Kinderbuch aus Sortiment

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Der Film "Der junge Häuptling Winnetou" mit Mika Ullritz in der Hauptrolle war nicht unumstritten - am Ende erhielt er dennoch das Prädikat besonders wertvoll.

(Foto: picture alliance/dpa/Leonine)

Weil es rassistische Stereotype bedienen soll, stoppt der Ravensburger Verlag den Verkauf des neuen Kinderbuches "Der junge Häuptling Winnetou". Der Rückzieher sorgt im Netz zum Teil für Unverständnis. Auch Karl-May-Experte Andreas Brenne kritisiert die Entscheidung des Verlags.

Ein Rückzieher des Ravensburger Verlages bei einem Winnetou-Kinderbuch sorgt für Diskussionen. Wie ein Unternehmenssprecher bestätigte, wurde die Auslieferung des Buchs bereits gestoppt. Zuvor hatte der Verlag dies in einem sozialen Netzwerk angekündigt und mit "den vielen negativen Rückmeldungen" zu dem Buch "Der junge Häuptling Winnetou" begründet.

Die Veröffentlichung des Kinderbuches zu dem gleichnamigen Kinofilm hatte im Internet erhebliche Kritik ausgelöst. Das Feedback habe gezeigt, dass "wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben", erklärte der Verlag bereits vor einigen Tagen auf Instagram. "Das war nie unsere Absicht", erklärte Ravensburger weiter und entschuldigte sich "ausdrücklich". Bei den gestoppten Artikeln handelt es sich den Angaben zufolge um Lizenztitel - ein Kinderbuch ab acht Jahren, ein Erstleserbuch, ein Puzzle sowie ein Stickerbuch.

Ein Kritikpunkt von Internetnutzern bezog sich den Berichten zufolge darauf, dass in dem Buch rassistische Stereotype wiedergegeben würden. Auch unter dem Hashtag #winnetou gaben Nutzer Kommentare ab, wobei zahlreiche Teilnehmer Unverständnis über die Entscheidung des Verlags äußerten.

"Ich halte es für nicht richtig"

Der Karl-May-Experte Andreas Brenne hält das Winnetou-Buch für unbedenklich und kritisierte die Entscheidung des Verlags. "Ich halte es für nicht richtig, ein solches Buch nur aufgrund eines Shitstorms aus dem Verkehr zu ziehen", sagte der Kunstpädagogikprofessor der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Schon in einer Vorbemerkung werde klargestellt, dass das Buch als fiktive Geschichte und nicht als sachgerechte Darstellung des Lebens indigener Völker zu verstehen sei. Brenne warnte davor, den Vorwurf der falschen kulturellen Aneignung unreflektiert zu generalisieren. "Schon das Verkleiden als Indianer gilt dann als rassistischer Akt", erklärte Brenne, der in der Karl-May-Gesellschaft an Programmfragen mitarbeitet.

"Im absolut klischeehaften Bild"

Zuvor hatte auch die von den Bundesländern getragene Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), die Filme auf ihre Qualität hin begutachtet, eine gespaltene Meinung zu dem Film "Der junge Häuptling Winnetou" veröffentlicht. Einige Jury-Mitglieder halten es demnach heute für nicht mehr zulässig, einen Film "im Geist der mythisch aufgeladenen und sehr klischeehaft darstellenden Karl-May-'Folklore' zu realisieren".

Bei einer großen Mehrheit der Jury fand der Film den Angaben der FBW zufolge aber Zustimmung. Sie verwiesen darauf, dass Karl May seine Erzählungen aus seiner Fantasie geschrieben habe, auch die Verfilmungen in den 60er-Jahren seien Märchen, welche die Welt der indigenen Völker "im absolut klischeehaften Bild darstellten". Dies in einen Kinderfilm von heute märchenhaft einzubringen, sei durchaus legitim, befanden die Jury-Mitglieder. Der Film erhielt letztlich das Prädikat besonders wertvoll.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 22. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, can/AFP

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