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Seenotrettung im Mittelmeer Reeder weichen Flüchtlingsbooten aus

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Handelsschiffe versuchen Flüchtlinge im Mittelmeer zu umfahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Mittelmeer helfen aktuell nur private Schiffe Flüchtlingen in Seenot. Viele Handelsschiffe versuchen diese Situationen bewusst zu vermeiden. Ursache dafür ist das Verhalten der italienischen Regierung. Auch seelische Belastungen der Vergangenheit tragen dazu bei.

Die Flucht vieler Menschen über das Mittelmeer beeinträchtigt die Handelsschifffahrt. Demnach haben viele Schiffe ihren Kurs geändert, um die Flüchtlingsrouten nach Italien, Spanien oder Griechenland zu umfahren. Das sagte der Diakon der Deutschen Seemannsmission, Markus Schildhauer, dem Evangelischen Pressedienst (EPD). "Die Reedereien nehmen die Kosten von längeren Routen in Kauf, um sich nicht dem Vorwurf der indirekten Schlepper-Hilfe auszusetzen."

Ursache für dieses Verhalten ist demnach vor allem Italien, das die Seenotrettung kriminalisiert. Ein anderer Grund ist psychischer Natur: Laut Diakon Schildhauer haben viele Frachtschiffen bereits versucht, Flüchtlingen zu helfen. In solchen Fällen hätten die Besatzungen oftmals erlebt, dass die Migranten keine Kraft mehr hatten, ihre Boote zu verlassen oder dass die Boote beim Rettungsversuch gekentert sind.

Zudem sind die Frachter laut Seemannsmission nicht für hundert oder mehr Flüchtlinge ausgelegt, sondern nur für Mannschaften von etwa 20 Mann. Meist gäbe es nicht genug Wasser und sanitäre Einrichtungen an Bord, oft noch nicht mal genug Fläche, um so viele Menschen aufzunehmen, sagte Schildhauer. "Seenotrettung geht in der Regel nicht ohne Tote ab."

Dem Seerecht nach sind Schiffe bei der Entdeckung von Menschen in Seenot verpflichtet, die Personen aufzunehmen. 2015 haben Handelsschiffe der Seemannsmission zufolge 50.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet, 2016 waren es 60.000.

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Quelle: n-tv.de, chr

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