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Auch wenn die AfD schon Alarm schlägt: An der St. Johanniskirche in Lüneburg wird Weihnachten ebenso gefeiert wie am Johanneum.
Auch wenn die AfD schon Alarm schlägt: An der St. Johanniskirche in Lüneburg wird Weihnachten ebenso gefeiert wie am Johanneum.(Foto: dpa)
Mittwoch, 20. Dezember 2017

Weihnachten an Lüneburger Schule: Rektor dementiert Absage wegen Muslima

Der Fall sorgt für Aufsehen: Aus Rücksicht auf eine muslimische Schülerin soll das Lüneburger Johanneum eine Weihnachtsfeier abgesagt haben. Nun erklärt der Schulleiter: Nicht die Muslima war der Grund für die Absage - und auch ein Singverbot gebe es nicht.

Nach dem Wirbel um eine abgesagte Weihnachtsfeier am Lüneburger Johanneum hat der Schulrektor dementiert, dass die Beschwerde einer muslimischen Schülerin Auslöser für die Absage war. Zwar habe es tatsächlich einen "Vorfall" gegeben - allerdings nicht etwa in Verbindung mit der verpflichtenden Weihnachtsfeier, sondern während des Unterrichts im Fach Musik, erklärte Friedrich Suhr. Demnach habe sich die Schülerin beschwert, "als eine Lehrkraft das Singen von Weihnachtsliedern ansetzen wollte". Die Muslima soll sich laut einem Bericht des NDR auf ihre religiöse Überzeugung berufen haben.

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Suhr habe daraufhin um eine "sensiblere Handhabung im Pflichtunterricht" gebeten. Es gebe aber "kein generelles Verbot, christliche Lieder in der Schule zu singen", hieß es in einer Erklärung. Die Weihnachtsfeier sei in diesem Jahr lediglich "wegen eines Personalwechsels im Kollegium" abgesagt worden und solle im nächsten Jahr wieder regulär stattfinden. Der Schulleiter betonte jedoch, dass die angesprochene Sensibilität im Umgang miteinander auch bei für die Schüler verpflichtenden Weihnachtsfeiern nötig sei.

Der Norddeutsche Rundfunk hatte am Dienstag berichtet, dass am Johanneum in diesem Jahr keine Weihnachtsfeier während des Unterrichts stattfinde, weil sich im Vorjahr eine Muslima über das Singen christlicher Lieder beschwert hatte. Dem Magazin "Focus" hatte ein Mitglied des Schulelternrats bestätigt, dass stattdessen eine freiwillige Feier am Nachmittag geplant worden sei. "Laut Schulgesetz soll auf die religiöse Überzeugung anderer Rücksicht genommen werden", erklärte der Elternvertreter demnach.

AfD greift Schülerin und Rektor an

Wie das Magazin weiter berichtet, sollen sich Schulleitung und Elternrat seit Bekanntwerden des Kompromisses mit heftigen Reaktionen konfrontiert sehen. "Wir werden von einer Welle von Hassmails und wütenden Leserbriefen regelrecht zugeschüttet", sagte das Ratsmitglied. "Darunter befinden sich auch massive Drohungen gegen Schulleitung und Elternrat. In einigen Fälle erwäge man bereits, Strafanzeige gegen die Verfasser zu stellen. "Diese Hasswelle hat ein Ausmaß angenommen, das einfach zu weit geht."

Auch die AfD hatte sich auf die Nachricht von der abgesagten Weihnachtsfeier gestürzt. "Die Islamisierung unserer Gesellschaft zieht nun auch in deutsche Schulen ein", erklärte der Co-Vorsitzende Alexander Gauland auf Facebook. Das muslimische Mädchen solle sich "einen Kulturkreis aussuchen, wo sie damit nicht belästigt wird". Der Schulleitung des Johanneums warf er vor, sich dem Islam zu unterwerfen.

Schüler veranstalten Weihnachtsbasar

Allerdings hatte sich die Schulleitung auf Vorgaben des niedersächsischen Schulgesetzes berufen. Laut Paragraf 3 müsse auf die Empfindungen Andersdenkender Rücksicht genommen werden, erklärte eine Sprecherin der Landesschulbehörde. "Deshalb darf eine verpflichtende Weihnachtsfeier nicht den Charakter eines Gottesdienstes haben, was aber nicht bedeutet, dass keine christlichen Weihnachtslieder gesungen werden dürfen."

Die Schüler und Lehrer des Johanneums reagierten angesichts der allgemeinen Empörung auf ihre eigene Weise - mit einem gemeinsamen Weihnachtsbasar, auf dem am Nachmittag selbstgebastelte Weihnachtssterne, Waffeln und Kekse angeboten wurden. Auch ein Mädchen mit Kopftuch verkaufte Plätzchen mit Weihnachtsmotiven. Ein Weihnachtskonzert soll es nach Angaben von Schulleiter Suhr ebenfalls noch geben.

Quelle: n-tv.de