Panorama

Teufelsaustreibung in Nicaragua Religiöse Fanatiker schuldig gesprochen

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Der Sektenführer Juan Rocha vor Gericht in Managua.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Sie sind überzeugt, dass ihre Nachbarin von einem Dämon besessen ist. Sie fesseln die 25-Jährige und werfen sie nackt auf einen Scheiterhaufen. Wenig später stirbt die junge Mutter. Ein Gericht spricht die fünf Angeklagten jetzt schuldig.

Nach einer tödlichen Teufelsaustreibung in Nicaragua hat ein Gericht einen Sektenführer und vier Komplizen schuldig gesprochen. Eine junge Frau war im Februar ihren schweren Verletzungen erlegen, nachdem der Anführer der christlichen Sekte sie auf einen Scheiterhaufen geworfen hatte. Die Geschworenen in Managua befanden die fünf Angeklagten des Mordes und der Entführung schuldig. Das Strafmaß soll am 9. Mai festgelegt werden.

Vor der Gewalttat war die 25-jährige Vilma Trujillo eine Woche lang in einem Anwesen der Glaubensgemeinschaft in der abgelegenen Ortschaft El Cortezalim im Norden Nicaraguas festgehalten worden. Nach Darstellung von Angehörigen und Zeugen leitete ein Mann namens Juan Rocha das Exorzismus-Ritual. Er bezeichnet sich als Priester der evangelikalen Kirche der Versammlung Gottes. Nach seiner Festnahme durch die Polizei bestritt er, die junge Frau verbrannt zu haben. Sie sei von einem Dämon "besessen" gewesen, und dieser sei ins Feuer gefallen.

Rafael Arista, der die Kirche der Versammlung Gottes leitet, bestritt im Fernsehen, dass seine Glaubensgemeinschaft etwas mit dem Fall zu tun habe. Rocha gehöre seiner Kirche nicht an.

Die Staatsanwaltschaft hatte 30 Jahre Haft wegen Mords und sechs Jahre wegen Entführung gefordert. Die verfassungsmäßige Höchststrafe liegt in Nicaragua bei 30 Jahren Gefängnis. Die Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert.

In den kleinen Gemeinden an der nicaraguanischen Karibikküste gibt es vereinzelt noch den Glauben an Hexen und Teufelsaustreibungen. Die Vizepräsidentin von Nicaragua, Rosario Murillo, sagte, die Tragödie sei auch Ausdruck der Rückständigkeit dieser Region.

Exorzismus in Frankfurt

In Deutschland sorgte der Fall einer Teufelsaustreibung mit tödlichem Ausgang in einem Frankfurter Hotel für Schlagzeilen. Im Februar diesen Jahres verurteilte das Landgericht Frankfurt eine 44-Jährige aus Südkorea wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Haft. Sie soll als Haupttäterin für den Tod einer 41-jährigen Frau verantwortlich sein.

Sie hatte sich der Anklage zufolge "angemaßt, über Leben und Tod zu entscheiden", sie sei die treibende Kraft bei der Teufelsaustreibung gewesen und habe dem Opfer zuletzt auch das Tuch und den Kleiderbügel in den Mund gesteckt.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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