Panorama

Sorge vor neuer Ansteckungswelle Reproduktionsrate steigt wieder

Nach den ersten Lockerungen der Maßnahmen in der Corona-Krise flacht die Kurve der Infiziertenzahlen in Deutschland nur optisch ab. Die Ansteckungsrate klettert dagegen leicht nach oben. Virologen warnen bereits vor einer möglichen zweiten Welle des Virus.

Die Gesamtzahl der bisher in Deutschland erfassten Coronavirus-Infektionen ist bis Montagabend auf 143.150 Fälle gestiegen. Wie aus der ntv-Auswertung der Angaben aus den Ministerien und Behörden der Bundesländer hervorgeht, sind das rein rechnerisch nur 728 Fälle mehr als am Vorabend, doch laut Robert-Koch-Institut (RKI) gab es einen Rückschlag bei der Ansteckungsrate. Die Reproduktionszahl des Virus ist laut RKI auf 0,9 gestiegen. Das bedeutet, dass statistisch ein Infizierter einen weiteren Menschen ansteckt. Am Samstag hatte der Wert noch bei 0,8 gelegen, am Freitag bei 0,7.

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Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt angesichts dessen bereits vor einer möglichen zweiten Welle des Virus. Wenn die Reproduktionszahl nach Lockerung der Maßnahmen wieder über 1 kommen sollte, also ein Infizierter wieder mehr als einen anderen Menschen ansteckt, könne die Epidemietätigkeit in nicht erwarteter Wucht wieder losgehen, sagte Drosten im NDR-Podcast.

Schon Ende vergangener Woche hatte Drosten angesichts von Erkenntnissen aus der Spanischen Grippe vor der Gefahr einer zweiten Welle gewarnt, die nicht mehr nur an einzelnen Orten losrollt. Er betonte auch, dass die Zahl der Infizierten in der Charité in Berlin seit Wochen zunehme. In den Intensivstationen werde es stetig ein bisschen voller. Das sei ein Effekt, der ihn sorgenvoll stimme. Als Erkenntnis aus einer Studie mit epidemiologischen Modellierungen sagte der Virologe, dass Patienten am Tag vor Beginn der Symptome am stärksten infektiös seien. Die überwiegende Infektionstätigkeit sei dann nach vier Tagen mit Symptomen vorbei.

NRW sorgt für Sondereffekt

Prozentual betrachtet ging die tägliche Zuwachsrate der Neuinfektionen zu Wochenbeginn auf den niedrigsten Wert seit Anfang März zurück. Am Montag betrug der Anstieg zum Vortag nur noch 0,5 Prozent nach 1,4 Prozent am Sonntag. Bei den Fallzahlen zu Wochenbeginn muss diesmal jedoch ein starker Sondereffekt berücksichtigt werden. In Nordrhein-Westfalen hat das zuständige Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales das Meldeverfahren umgestellt. Dadurch weist NRW aktuell niedrigere Fallzahlen aus als am Vortag. Der Sondereffekt schlägt anteilig auch auf die Entwicklung der bundesweiten Fallzahlen durch.

NRW zählt neben Bayern und Baden-Württemberg zu den drei am schwersten betroffenen Regionen. Fast drei Viertel (über 70 Prozent) aller in der Statistik erfassten Todesfälle kommen aus diesen drei Bundesländern (3263 von insgesamt 4631 Fällen).

 

Am Montag sind die ersten Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Kraft getreten. Kleine und mittlere Geschäfte mit einer Fläche bis 800 Quadratmeter dürfen nun in vielen Bundesländern wieder öffnen. Für die ersten Schüler ging die Schule wieder los: In Sachsen kehrten die Abschlussklassen an ihre Unterrichtsstätten zurück. Die strikten Kontakt- und Abstandsregeln sollen allerdings mindestens bis zum 3. Mai weiter gelten.

Quelle: ntv.de, mba/dpa