Panorama

Reisewarnung für Spanien Rund 30.000 deutsche Urlauber auf Balearen

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"Wir müssen leider mit vielen infizierten Rückkehrern rechnen," sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erst vor Kurzem spricht die Bundesregierung eine Reisewarnung für fast ganz Spanien aus. Allein auf den Balearen befinden sich allerdings zurzeit rund 30.000 deutsche Touristen. Die Sorge über massenhaft infizierte Rückkehrer ist groß.

Derzeit weilen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund 30.000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen. Mit geschätzt mehr als 90 Prozent dürften die meisten von ihnen auf Mallorca Urlaub machen, sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer. Allerdings gebe es noch keinen Überblick darüber, wie viele Urlauber in den nächsten Tagen vorzeitig abreisen wollten.

Am Vorabend hatte die Bundesregierung ihre bisher für einige spanische Regionen geltende Reisewarnung auf das gesamte spanische Festland sowie die Inselgruppe Balearen ausgedehnt. Ausgenommen sind allein die tief im Atlantik liegenden Kanarischen Inseln. Zu den Balearen gehören neben der beliebten Urlaubsinsel Mallorca auch die kleineren Mittelmeerinseln Ibiza und Menorca.

Nach Angaben des DRV werden alle Reiseveranstalter in den kommenden Tagen geplante Reisen dorthin absagen. Das gehört zum Standardverfahren nach einer Reisewarnung, die zwar kein Reiseverbot bedeutet, aber Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht.

Bereits am Freitagabend hatte zum Beispiel Tui angekündigt, ab heute alle Pauschalreisen nach Spanien zu streichen. "Das werden sie jetzt bei allen Reiseveranstaltern sehen", sagte Schäfer. Die Absagen würden "erstmal von Woche zu Woche" erfolgen, um abzuwarten, ob die Reisewarnung nicht bald wieder aufgehoben wird. "Man kann ja nicht Mallorca bis zum Jahresende absagen."

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"Mallorca ist inzwischen klar ein Risikogebiet"

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Für ganz Spanien gab das Gesundheitsministerium in Madrid diesen Wert am Freitag mit mehr als 58 für die vergangenen sieben Tage an.

Auf den Balearen liege er sogar bei über 77. Über die Risikogebiete führt das RKI eine Liste, die fortlaufend aktualisiert wird. Sie umfasst derzeit etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßte die Entscheidung des Auswärtigen Amts, für fast ganz Spanien eine Reisewarnung auszusprechen. "Mallorca ist inzwischen klar ein Risikogebiet", sagte der Bundestagsabgeordnete der "Rheinischen Post" und warnte: "Wir müssen leider mit vielen infizierten Rückkehrern rechnen." Tests nach der Rückkehr seien daher "unbedingt notwendig".

Für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten gilt generell schon seit einigen Wochen, dass sie sich beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen. Seit dem vergangenen Wochenende greift zudem eine Testpflicht bei der Heimkehr: Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Ansonsten müssen die Betroffenen zwei Wochen lang in Quarantäne.

Das heißt: Entweder man lässt sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legt einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder man lässt sich nach Rückkehr in Deutschland testen, was drei Tage lang kostenlos möglich ist.

Quelle: ntv.de, can/dpa