Geisterschiff im MittelmeerRussischer LNG-Tanker treibt ausgebrannt vor Malta

Der russische Flüssiggas-Tanker "Arctic Metagaz" ist nach der Explosion im Mittelmeer offenbar nicht gesunken: Das von der Besatzung verlassene Wrack schwimmt nach Angaben der maltesischen Behörden weiter antriebs- und steuerlos auf hoher See.
Überraschende Wendung im südlichen Mittelmeer: Der bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff am 3. März schwer getroffene LNG-Tanker "Arctic Metagaz" ist im Anschluss an die verheerende Explosion an Bord zwar ausgebrannt, bisher aber anders als erwartet nicht untergegangen. Das rund 277 Meter lange und 43 Meter breite Spezialschiff treibt offenbar noch immer auf hoher See, wie aus einer Meldung der maltesischen Schifffahrtsbehörde hervorgeht.
Das verlassene Wrack wurde den Angaben zufolge rund 37 Seemeilen (68,5 Kilometer) südlich von Malta gesichtet. Rund um die Position des Wracks richteten die Behörden eine Sperrzone ein. Der zivile Schiffsverkehr wurde angewiesen, das Seegebiet zu meiden und einen Mindestabstand von fünf Seemeilen einzuhalten. Der Sperrkreis hat demnach einen Durchmesser von knapp 18,6 Kilometern. Das Schiff sei "führungslos", hieß es. Im Inneren dürften sich noch größere Mengen an Schweröl befinden.
Wie lange das ausgebrannte Wrack schwimmfähig bleibt, ist unklar. Der Schiffsrumpf hatte bei der Explosion der Ladung massive Schäden erlitten, wie eine Luftaufnahme eines Seefernaufklärungsflugzeugs der Nato vom Nachmittag des Unglücks zeigt.
Die Besatzung des Schiffes konnte sich nach Angaben der libyschen Küstenwache rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die libyschen Behörden hatten kurz darauf auch den Untergang des Schiffes gemeldet. Offizielle Stellungnahmen aus Russland bestätigten den Untergang: Das russische Verkehrsministerium warf der Ukraine vor, den LNG-Tanker angegriffen und versenkt zu haben. Ukrainische Stellen haben sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.
Die veröffentlichten Positionsdaten deuten darauf hin, dass sich das Wrack mit nicht unerheblicher Geschwindigkeit auf die Küste zubewegt. In der Region herrschen derzeit mäßig Winde aus Ost bis Nordost. Die angegebene Schiffsposition südlich von Malta liegt rund 260 Kilometer nordwestlich der Stelle, an der Nato-Aufklärer und europäische Erdbeobachtungssatelliten die "Arctic Metagaz" am 3. März gesichtet hatten. In den sechs Tagen bis zur Sichtung südlich von Malta am 10. März müsste das Wrack demnach durchschnittlich 1,8 Kilometer pro Stunde abgetrieben sein.
Transponder-Daten zur Positionsbestimmung sendet das Schiff nicht: Die Besatzung hatte die Übermittlung der üblichen Angaben zu Kurs, Position und Geschwindigkeit am Abend des 2. März offenbar vorsätzlich abgeschaltet. Die letzten abrufbaren Daten belegen, dass der Tanker am Vorabend des verhängnisvollen Vorfalls aus Richtung Gibraltar kommend unterwegs ins östliche Mittelmeer war.
Wie mit dem Schiffswrack weiter verfahren wird, ist noch offen. Berichten zufolge bereiten sich die Behörden auf Malta darauf vor, Maßnahmen zu ergreifen, falls die "Arctic Metagaz" maltesische Hoheitsgewässer erreichen sollte. Wer die Kosten für eine Bergungsaktion übernehmen wird, ist ebenfalls noch unklar. Anfragen in Russland seien bisher ergebnislos geblieben, heißt es. Der russische Eigner scheint das Schiff aufgegeben zu haben. Zusätzlich kompliziert wird die Rechtslage womöglich auch dadurch, dass der LNG-Tanker als Teil der russischen Schattenflotte umfangreichen Sanktionen unterliegt.