Panorama

Entspannung erst im Spätsommer Sahin fürchtet neues Aufbäumen des Virus

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Noch wirkt die Impfkampagne in Deutschland nicht: Sinkende Fallzahlen erwartet Biontech-Chef Sahin erst für Ende Mai, Anfang Juni.

(Foto: picture alliance/dpa/Biontech)

Eine Studie aus Israel bescheinigt dem Biontech-Impfstoff eine gute Wirkung gegen Erkrankungen und Infektionen. Trotzdem sieht der Firmenchef die Gefahr nicht gebannt. Für Deutschland rechnet Sahin erst Ende Mai mit sinkenden Fallzahlen. Vorher könnte das Virus noch einmal Gas geben.

Während Experten beim Impf-Weltmeister Israel bereits im März mit fallenden Infektionszahlen rechnen, prognostiziert Biontech-Gründer Ugur Sahin für Deutschland erst Ende Mai, Anfang Juni einen Rückgang der Fallzahlen. Dem "Spiegel" sagt Sahin voraus, dass durch die laufende Impfkampagne zumindest die Sterblichkeit in Deutschland bereits im März zurückgehen werde. "Unter Kontrolle" werde die Pandemie wohl "bis zum Spätsommer" sein, sagte der Biontech-Chef. Allerdings fügte er sofort hinzu: "Unter Kontrolle bedeutet nicht, dass es keine Infektionen mehr gibt. Aber dass wir ein normaleres Leben haben können."

Sahins Optimismus beruht insbesondere auf neuen Studien-Daten, laut denen der Biontech-Impfstoff nicht nur die Krankheit verhindert, sondern auch die Übertragung des Virus zu rund 90 Prozent unterdrückt. Dies geht unter anderem aus einer dieser Woche veröffentlichen israelischen Studie mit über einer Million Teilnehmern hervor. Durch die Infektions-Verhinderung werde es einfacher, die Pandemie zu bekämpfen: "Wenn sich weniger Menschen anstecken, wird es unwahrscheinlicher, dass sich neue Varianten bilden", sagte Sahin. Zudem sei die Herdenimmunität einfacher zu erreichen, wenn Geimpfte großteilig nicht mehr ansteckend sind. "Mit einem Vakzin, das Infektionen verhindert, schützte ich als geimpfter Mensch nicht nur mich, sondern auch die Ungeimpften. Weil ich mit fast 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit als Überträger ausfalle."

Sahin warnte aber gleichzeitig davor, dass der Begriff der Herdenimmunität oft missverstanden werde - nämlich, dass man dann auch als Umgeimpfter in der Menge der Geimpften sicher sei: "Aber das stimmt nicht: Wer nicht geimpft ist, ist nicht geschützt und kann sich weiter infizieren." Der Vorteil der Herdenimmunität sei jedoch, dass das Virus nicht mehr außer Kontrolle geraten könne: "Das bedeutet vor allem, dass unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird", erläuterte Sahin weiter. "Es wird sicherlich immer wieder kurze Ausbrüche geben, die dann aber relativ schnell kollabieren werden."

Studie zur dritten Impfung begonnen

Im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung bewertete der Biontech-Chef die grassierenden Mutationen vor allem als Zeitproblem. "Dadurch könnte die Pandemie noch einmal richtig Fahrt aufnehmen, bevor ausreichend Menschen durch Impfungen geschützt sind", sagte er. Insgesamt wirke der Impfstoff aber gegen die derzeit verbreiteten Mutanten gut. "Wir selbst haben im Labor mehr als 25 Virusvarianten getestet und lediglich bei der südafrikanischen Variante einen leichten Abfall in der Neutralisierung beobachtet", sagte der Forscher.

Zugleich gebe es gegen die Mutationen möglicherweise eine einfache Strategie: Eine dritte Impfung. "Wenn kritische Varianten auftauchen, könnte eine simple Strategie das Verabreichen einer dritten Dosis des aktuellen Impfstoffs sein. Eine solche Booster-Impfung könnte einen so starken Immunschutz hervorrufen, dass auch die Varianten nicht mehr durchkommen." Dazu habe gerade eine klinische Studie begonnen.

Quelle: ntv.de, mau

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