Panorama

Großkonzert in Düsseldorf Sarah Connor muss ums Comeback zittern

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Ob Sarah Connor am 4. September vor großem Publikum singen darf, entscheidet sich erst kurzfristig.

(Foto: imago images/Oliver Willikonsky)

Anfang September soll in Düsseldorf die erste musikalische Großveranstaltung seit vielen Monaten steigen. Ob es zu dem für die arg getroffene Livebranche wichtigen Testlauf kommt, entscheidet sich vielleicht aber erst kurzfristig. Die Show steht auf Messers Schneide - und hat mächtige Gegner.

Mit einem Konzert vor 13.000 Zuschauern soll am 4. September in Düsseldorf die Rückkehr zu einem geregelten Livemusikbetrieb unter Auflagen vorangetrieben werden. Auftreten sollen unter anderen die Sängerin Sarah Connor und US-Rocker Bryan Adams. Das Konzert ist seitdem umstritten, ob es wirklich stattfinden darf, wird sich spätestens vier Tage vorher entscheiden. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Stadt Düsseldorf und die Landesregierung. Entscheidend soll dann das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen sein.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet nannte das Konzert im Düsseldorfer Fußballstadion "kein gutes Signal". Der CDU-Politiker warf dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel Profilierungsversuche vor. Es sei klar, dass bei einem solchen Großereignis "ganz Deutschland und viele in Europa auf diese Stadt gucken. Vielleicht war das auch die Absicht, dass man so auf diese Stadt gucken sollte."

SPD-Politiker Geisel wies dagegen daraufhin, seine Verwaltung habe sich lediglich an Recht und Gesetz gehalten. Die Corona-Vorgaben würden durch den Veranstalter sogar übererfüllt. Gemessen am Alltag in der Großstadt - etwa in Freibädern oder im Freien in der Stadt - sei das Corona-Infektionsrisiko bei dem Konzert angesichts der getroffenen Vorkehrungen "sehr, sehr gering", sagte Geisel am Mittwoch bei WDR5.

Ministerium zweifelt, Laschet und Söder zürnen

Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder hatte dem Konzert eine "katastrophale Signalwirkung" im Corona-Kampf bescheinigt. Die Stadt Düsseldorf hatte das Hygienekonzept abgesegnet. Das Landesgesundheitsministerium ließ es sich allerdings nachträglich zur Prüfung schicken. Nordrhein-Westfalens CDU-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte bereits in der vergangenen Woche heftige Kritik geübt und rechtliche Zweifel angemeldet.

"Ich wundere mich, wie heutzutage alles politisiert wird", sagte Geisel und sprach von einem "politischen Profilierungswettbewerb" zwischen Söder und Laschet. Die NRW-Landesregierung habe den Kommunen erst heikle Genehmigungen aufgebürdet, "aber wenn es politisch opportun erscheint, dann heißt es plötzlich, wir können das nicht entscheiden". Laschet wolle offenbar "eine Lizenz zum Meckern".

Veranstalter Marek Lieberberg will für seine Pläne kämpfen. Man habe sich an die zuständige Behörde gewandt. Und die zuständige Behörde für ein Konzert in Düsseldorf sei "in der Zeit dieser Republik" noch nie die NRW-Landesregierung gewesen. "Wir müssen uns auf die Rechtsgültigkeit solcher Verfahren auch verlassen können. Und das tun wir. Und deshalb werden wir alles tun, damit es bei dieser Genehmigung auch bleibt", hatte er der Deutschen Presse-Agentur gesagt. "Wir haben eine Zusage, wir glauben,dass die Zusage rechtlich bindend ist."

"Mittlerweile Existenzen bedroht"

Das Konzept des Veranstalters sieht etwa vor, dass die Besucher dauerhaft Masken tragen - auch auf den Sitzplätzen. Schals, Halstücher oder "vorgehaltene Textilien" sollen nicht akzeptiert werden. Der Einlass erfolge in verschiedenen Zeitfenstern, Sicherheitsabstand bleibe gewahrt. Die Tickets seien zudem personalisiert, Alkohol verboten. Gruppen dürfen bis zu vier zusammenhängende Plätze buchen - zu den nächsten gilt Mindestabstand. Die Imbissstände sind geschlossen, damit sich dort keine Schlangen bilden. Getränke oder Snacks werden von "Läufern" an den Plätzen servier. Das Konzert, das von "Rock am Ring"-Veranstalter Marek Lieberberg veranstaltet wird, war vom städtischen Gesundheitsamt als zuständige Behörde genehmigt worden.

Lieberberg hatte das Konzert "Give Live A Chance" getauft. "Wir machen die Tür auf für die Renaissance der Live-Musik, der wir mit diesem Konzert endlich die verdiente Chance zum Neustart geben", hatte er vergangene Woche erklärt. Am Wochenende hatte auch Sarah Connor das Event verteidigt. Bei Instagram erklärte sie unter anderem in einem langen Beitrag, dass sie "Bedenken und Einwände" zwar verstehen könne, dass es aber um Arbeitsplätze gehe. Sie habe "viele Freunde und Kollegen deren Existenzen mittlerweile bedroht" seien.

Am Donnerstag wurde unterdessen bekannt, dass für das Konzert auch die Commerzbank-Arena in Frankfurt angefragtworden war. Arena-Geschäftsführer Patrik Meyer sagte "bild.de": "Es stimmt, dass das Konzert in Frankfurt stattfinden sollte. Wir als Stadion-GmbH hätten es auch gerne gemacht. Das Gesundheitsamt fand das Hygienekonzept gut, aber das Gesundheitsdezernat der Stadt hat das Konzert abgesagt. Das Dezernat verwies auf das allgemeine Veranstaltungsverbot."

Quelle: ntv.de, ter/dpa