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"Sein Zustand ist ernst" Schüler nach Prügelattacke weiter im Koma

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Nach der Tat nahm die Polizei mehrere Verdächtige fest.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf Klassenfahrt in England wird ein deutscher Schüler ins Koma geprügelt. Gut eine Woche nach der Tat schwebt der 17-Jährige noch immer in Lebensgefahr. Gegen die mitgereisten Lehrkräfte erhebt der Bruder des Opfers nun schwere Vorwürfe.

Nach der Prügelattacke in der englischen Stadt Canterbury liegt das deutsche Opfer nach Angaben seiner Heimatstadt Mönchengladbach weiterhin im Koma. Der 17 Jahre alte Schüler gehe in Mönchengladbach zur Schule und sei auf Abschlussfahrt mit insgesamt zwei Klassen gewesen, sagte Stadtsprecher Wolfgang Speen. "Sein Zustand ist ernst."

Die Mutter befindet sich derzeit bei ihrem Jungen, der in einem Londoner Krankenhaus notoperiert worden war. "Am Anfang hat der Arzt berichtet, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bei nur 30 Prozent liegt", sagte der Bruder des Opfers in einem Interview mit RTL. Mittlerweile habe sich der Zustand etwas gebessert, Lebensgefahr bestehe aber weiterhin. Auch die Polizei in England sprach von einem ernsten Zustand, in dem sich der Jugendliche befinde.

Der Schüler mit libanesischen Wurzeln soll am Donnerstagabend in der südostenglischen Stadt Canterbury von mehreren Jugendlichen angegriffen worden sein. Er wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Londoner Krankenhaus gebracht. Das Opfer soll bei der Attacke mit anderen Schülern unterwegs gewesen sein. Nach der Gewalttat wurde die Klassenfahrt, die noch bis Samstag geplant war, abgebrochen.

Lehrer hätten besser aufpassen müssen

"Das ist nicht spurlos an den Schülern vorbeigegangen. Sie waren geschockt und betroffen", sagte Speen. Vor der Rückfahrt seien die Jugendlichen von der Polizei vernommen worden. Der schulpsychologische Dienst sei jetzt für die Schüler ansprechbar.

Die Mutter des Opfers sei von Lehrern telefonisch über den Vorfall informiert worden, berichtete der Bruder des Opfers RTL. Er schilderte wie schwierig die Zeit für die Mutter war. Nicht beim Kind sein zu können, während es fast im Sterben liege, sei das Schlimmste, was passieren könne. Inzwischen seien die Mutter und zwei weitere Brüder am Krankenbett. "Wir können einfach nur beten und hoffen, dass es bald ein Ende hat und er bald wieder hier sitzt und wir wieder lachen und Spaß haben." 

Für die Familie des Opfers ist es kaum nachvollziehbar, wie es zu der Gewalttat kommen konnte. Wie der Bruder des Opfers sagt, hätten die mitgereisten Lehrer besser aufpassen müssen. Denn bereits einige Tage vor dem Angriff soll es mit den mutmaßlichen Tätern bereits eine Auseinandersetzung gegeben haben.

Bürger starten Crowdfunding-Aktion

Nach der Attacke waren sechs Teenager aus Canterbury und Umgebung im Alter von 15 bis 17 Jahren sowie ein 44 Jahre alter Mann festgenommen worden. Der Mann stand unter dem Verdacht der Beihilfe. Alle Festgenommenen wurden auf Kaution freigelassen. Die Polizei suchte nach Zeugen des Angriffs. Ein rassistischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen.

Viele Menschen in Großbritannien zeigten sich indes betroffen. Eine lokale Initiative aus Canterbury sammelte bis Mittwoch per Crowdfunding-Webseite umgerechnet knapp 9400 Euro für die Familie des Opfers. Mit dem Geld sollen die Angehörigen ihren Aufenthalt in Großbritannien finanzieren können, solange der Jugendliche dort in Behandlung ist. "Dieser Angriff kann nicht ignoriert werden", schrieben die Initiatoren des Spendenaufrufs. "Wir müssen zusammenkommen und unsere Unterstützung zeigen." 

Der lokalen Nachrichtenwebseite Kent Online zufolge legten Menschen noch Tage nach der Tat am Ort des Geschehens Blumen und Karten mit Genesungswünschen nieder. Auf der Webseite wurden zudem Augenzeugen zitiert, die von einer größeren Menschenmenge sprachen, in der sich der Angriff abgespielt haben soll. Erst als der Schüler bereits auf dem Boden lag, sei es möglich gewesen, ihm zur Hilfe zu kommen, so ein Augenzeuge.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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