Panorama

Schweizer Erziehungsmethode Schülerproteste gegen "T-Shirt der Schande"

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"Das Bildungsministerium nährt die Vergewaltigungskultur": Schülerinnen protestieren am 30. September vor dem Pinchat-Gymnasium in Genf gegen die Kleiderordnung des Ministeriums.

(Foto: dpa)

Weiterführende Schulen in der Schweiz greifen zu rigorosen Mitteln, um Schülerinnen und Schüler zu einem "angemessenen" Kleidungsstil zu bewegen. Wer gegen die Kleiderordnung verstößt, muss ein knielanges T-Shirt tragen. Dagegen regt sich unter jungen Leuten nun erstmals Widerstand.

Hunderte Schüler haben in Genf gegen "sexistische" Kleiderordnungen an weiterführenden Schulen protestiert. Die Demonstranten, hauptsächlich Mädchen und junge Frauen, versammelten sich vor der Pinchat-Schule und forderten eine Abschaffung der "erniedrigenden" Regeln. "Demütigung ist keine Erziehungsform", stand auf Plakaten.

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Das "T-Shirt der Schande".

(Foto: DR)

Die Schule hatte nach den Sommerferien zwei Jungen und zehn Mädchen gezwungen, ein knielanges T-Shirt mit der Aufschrift "Ich bin angemessen gekleidet" überzuziehen, weil sie nach Ansicht der Schulleitung zu freizügig oder mit T-Shirts mit zweifelhafter Aufschrift gekleidet waren. Unter den Jugendlichen wird es das "T-Shirt der Schande" genannt.

Die Geschichte wurde bekannt, nachdem die Mutter von einem der Mädchen sich bei den Genfer Schulbehörden beschwert hatte. Nach Medienberichten warf sie der Schule vor, "ihre Macht zu missbrauchen, um junge Mädchen zu erniedrigen, zu demütigen und zu stigmatisieren". Die Erziehungsdirektorin des Kantons, Anne Emery-Torracinta, räumte beim Schweizer Sender RTS ein, die Praxis sei wohl nicht mehr angemessen und müsse überdacht werden.

"Es war wirklich beschämend"

Die Praxis ist tatsächlich nicht neu, das Überzieher-Hemd gibt es seit sechs Jahren. Kritiker monieren, dass diese Regeln, nach denen es eingesetzt wird, subjektiv ausgelegt werden. "Es war wirklich beschämend", berichtete eine junge Frau, die nach eigenen Worten schon einmal gezwungen wurde, das Hemd überzuziehen, dem Sender RTS. Auf den Gängen der Schule hätten viele sie angesprochen und gefragt, was sie denn darunter trage.

Die Pinchat-Schule argumentierte hingegen, die Anforderung, "korrekte und angemessene" Kleidung zu tragen, gelte "unabhängig vom Geschlecht". Die Schülerinnen wollen nun an einer neuen Kleiderordnung mitarbeiten. Die Erziehungsdirektorin sagte zu, sie anzuhören. Aber es bleibe dabei: In der Schule müsse angemessene Kleidung getragen werden. Was das ist, blieb zunächst offen.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP