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Die grafischen Darstellungen sollen niemanden verletzen, sondern informieren.
Die grafischen Darstellungen sollen niemanden verletzen, sondern informieren.(Foto: Youtube/RFSU)
Dienstag, 08. Mai 2018

Sexualität und Frauenrechte: Schweden setzt auf Aufklärungsvideos

Immer wieder wird beklagt, dass viele Zuwanderer vor allem beim Thema Sexualität mit wenig Wissen und vollkommen anderen Werten ausgestattet sind. Schweden startet deshalb eine besondere Kampagne auf Youtube.

Es sind Filme, die trotz des sensiblen Themas keine Fragen offen lassen. Und das ist auch genau der Zweck der kurzen Clips, die die schwedische Regierung finanziert hat. Es handelt sich um Lehrfilme der Schwedischen Gesellschaft für Sexualerziehung, die zur Aufklärung von Einwanderern gedacht sind.

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Die ersten sind einem Bericht der schwedischen Onlineseite "The Local" zufolge Ende März online gestellt worden. Inzwischen sind es elf Videos dieser Art, die man auf Youtube ansehen kann. In den Animationsfilmen wird zunächst einmal grundlegendes Wissen vermittelt, wie die Funktion des menschlichen Körpers. Außerdem geht es darum, wie Genuss beim Sex entsteht, was während der Menstruation passiert und auch welche verschiedenen Möglichkeiten zur Verhütung es gibt.

Zudem werden Schwangerschaft und Geburt thematisiert, aber auch heikle Themen wie Genitalverstümmelung, sexuell übertragbare Krankheiten und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. "Wir möchten, dass es nicht herablassend oder erniedrigend ist", zitiert die Webseite Projektleiterin Magdalena Abrahamsson.

Dringender Bedarf

Wichtig war den Machern der drei- bis fünfminütigen Videos, dass sie mit den einfachen und sachlichen Informationen Menschen erreichen, die nicht Schwedisch als Muttersprache sprechen. Deshalb sind die Filme in acht Sprachen, wie Arabisch, Kurdisch und Somali verfügbar, weitere sollen folgen. Alle Filme sind schwedisch untertitelt. Wegen der stilisierten Darstellung muss man jedoch nicht lesen können, um den Inhalt zu verstehen.

Abrahamsson zufolge ist die Reaktion bisher positiv, auch von Menschen, die aus sexuell konservativen Ländern, wie Somalia oder Syrien, nach Schweden gekommen sind. "Die Leute denken, dass es sehr aufregend, interessant und wichtig ist, diese Informationen zu bekommen", sagte die Projektleiterin. Zuvor hatte es immer wieder Rückmeldungen von Hebammen und Gynäkologen gegeben, dass viele Übersetzer weder das Vokabular noch das Wissen hatten, um sexuelle Gesundheitsthemen angemessen besprechen zu können.

Schwedens Sozialministerin Annika Strandhäll verwies bei "SVT Nyheter" darauf, wie dringend die Aufklärungsarbeit sei, für die die Regierung in diesem Jahr zusätzlich 350.000 Euro bereit stellt. Manche der neu ankommenden Frauen kämen aus Gesellschaften, "in denen gänzlich andere Normen, Regeln und Gesetz gelten", sagte sie . "Diese Videos sollen ihnen helfen, sexuelle Rechte in Schweden besser zu verstehen."

Quelle: n-tv.de