Panorama

Bonnie und Clyde-Syndrom Schwedin hat romantische Gefühle für Breivik

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Schon mehr als 150 Briefe erhielt Anders Breivik allein von Victoria.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht selten entwickeln Frauen Gefühle für verurteilte Straftäter. Auch Anders Breivik bekommt im Gefängnis viel Post von Verehrerinnen. Eine Schwedin setzt sich aus Liebe sogar für die Lockerung seiner Haftbedingungen ein und bezahlt dafür einen hohen Preis.

Sie nennt ihn beim Vornamen, schreibt jede Woche Briefe und will auf ihn warten: Victorias Herz hängt an Anders Behring Breivik. Wie andere berüchtigte Kriminelle hat auch der Massenmörder - verantwortlich für Norwegens schlimmstes Massaker nach dem Zweiten Weltkrieg - seine Bewunderer, nicht selten fühlen diese sich auch sexuell angezogen. Kriminologen bezeichnen das Phänomen als Hybristophilie.

"Ich würde mein Leben wirklich nicht ohne ihn verbringen wollen", sagt die Mittzwanzigerin, die in Wirklichkeit nicht Victoria heißt, ihren wahren Namen aber nicht preisgeben will. Gewöhnlich wirkt die junge Schwedin distanziert, spricht sie aber von ihrem "liebsten Anders", wird ihre Stimme rau. Wegen gesundheitlicher Probleme ist sie arbeitslos, ihre Zeit verbringt sie damit, sich für eine Lockerung von Breiviks Haftbedingungen einzusetzen.

Für den Mord an 77 Menschen wurde Breivik zu 21 Jahren Haft verurteilt. Die Dauer kann verlängert werden, sollte er weiterhin als Gefahr für die Gesellschaft eingestuft werden. Der Rechtsextremist hatte am 22. Juli 2011 eine Bombe im Regierungsviertel in Oslo gezündet und danach 69 Jugendliche in einem Sommerlager auf der Insel Utöya erschossen. Die vergangenen vier Jahre verbrachte er in Isolationshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Bonnie und Clyde-Syndrom ist weitverbreitet

Die Isolationshaft sei eine regelrechte Folter, sagt Victoria. Dennoch liegt ihr seine Situation: "Ich mag ihn noch mehr, weil er so verwundbar ist." Um ihn aufzumuntern, schrieb sie ihm schon mehr als 150 Briefe und schickte kleine Geschenke wie die dunkelblaue Krawatte, die er beim Prozess trug. Sie selbst erhielt bisher zwei Briefe von ihm, der Rest wurde von der Vollzugsverwaltung einbehalten.

Da alle ihre Besuchsanträge abgewiesen wurden, hat sie Breivik noch nie getroffen. Sie beschreibt ihn trotzdem als "alten Freund" und schützende "Bruderfigur". Gleichzeitig räumt sie ein: "Es gab zunächst romantische Interessen, zumindest von meiner Seite." Ihre ersten Kontakte über Online-Spiele gehen zurück auf das Jahr 2007, zwei Jahre später brach Breivik die Verbindung ab. Doch Anfang 2012 suchte Victoria wieder Kontakt zu ihm - dem inzwischen meistgehassten Mann Norwegens.

Sie ist nicht allein. Die Wochenzeitung Morgenbladet berichtete im vergangenen Jahr von jährlich mindestens 800 Briefen an Breivik. Während seines Prozesses 2012 machte ihm eine 16-Jährige einen Heiratsantrag. Diese Hybristophilie, auch als Bonnie und Clyde-Syndrom bekannt, gibt es in allen Ländern und Epochen. Henri Désiré Landru, der Anfang des 20. Jahrhunderts elf Menschen ermordete, erhielt rund 800 Heiratsanträge, bevor er unter der Guillotine starb. Auch der Österreicher Josef Fritzl, der seine Tochter 25 Jahre gefangen hielt und vergewaltigte, sowie der US-Massenmörder und Sektenführer Charles Manson haben weibliche Fanclubs.

Es geht um Kontrolle

Für ihr Buch "Women Who Love Men Who Kill" interviewte die US-Autorin Sheila Isenberg rund 30 solcher Frauen. "Es ist eine Möglichkeit für sie, die Situation zu beherrschen - der Mann ist lebenslang im Gefängnis und hat keinerlei Kontrolle -, während sie früher von ihrem Vater oder anderen Männern missbraucht wurden", erklärt sie. "Und es ist eine aufregende, spannende Romanze, wie eine Achterbahnfahrt."

Victoria bezahlt für ihre Schwärmerei einen hohen Preis. Ihre Schwester will nichts mehr mit ihr zu tun haben, zu Freunden verlor sie den Kontakt. Wie kann sie einen Mann lieben, der Dutzende Teenager kaltblütig erschoss, manche von ihnen, während sie um ihr Leben bettelten? "Ich glaube, ich musste Anders von Breivik trennen", sagt sie. "Anders ist für mich ein alter Freund, und Breivik die Person, die all diese Dinge getan hat."

Quelle: ntv.de, Pierre-henry Deshayes/AFP

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