Sechs Tage auf MittelmeerLeichen ins Meer geworfen: 22 Migranten sterben auf Schlauchboot

Der Weg über das zentrale Mittelmeer ist die gefährlichste Fluchtroute der Welt. Wieder einmal stirbt eine große Gruppe Migranten auf einem Schlauchboot, nachdem die Passagiere die Orientierung verlieren. Todesfälle, die "nicht unvermeidbar sind", wie die UN schreibt.
Im Mittelmeer sind nach Angaben von Überlebenden 22 Migranten nach mehreren Tagen in einem Schlauchboot auf hoher See gestorben. Die griechische Küstenwache erklärte am Freitagabend, 26 Migranten, unter ihnen eine Frau und ein Minderjähriger, seien vor der Insel Kreta von einem Schiff der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex gerettet worden.
Überlebende haben der Küstenwache zufolge berichtet, dass das Schlauchboot am 21. März die ostlibysche Hafenstadt Tobruk verlassen habe, um über das Mittelmeer nach Griechenland zu gelangen. "Während der Fahrt verloren die Passagiere die Orientierung und blieben sechs Tage ohne Nahrung und Wasser auf hoher See", erklärte die Küstenwache. 22 Menschen seien gestorben, ihre Leichen seien "auf Befehl eines Schleppers ins Meer geworfen" worden.
Die griechischen Behörden nahmen zwei Männer im Alter von 19 und 22 Jahren fest, die südsudanesische Staatsbürger sind und die Schlepper sein sollen. Zwei Überlebende wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus nach Heraklion gebracht.
606 Toten oder Vermissten gab es laut der UN zwischen Beginn des Jahres und Anfang März auf dem Mittelmeer. Die hohe Zahl der bei der Überquerung verunglückten Migranten mache dies zum "tödlichsten Jahresstart im Mittelmeer" seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 2014, erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM).
"Diese Todesfälle sind nicht unvermeidbar. Wenn sichere Wege nicht zur Verfügung stehen, sind die Menschen gezwungen, gefährliche Reisen auf sich zu nehmen und sich in die Hände von Schleusern und Menschenhändlern zu begeben", erklärte die UN-Organisation weiter. "Wir müssen jetzt handeln, um sichere und reguläre Routen auszubauen und sicherzustellen, dass Menschen in Not erreicht und geschützt werden können, unabhängig von ihrem Status."
Die Rettung von Menschenleben auf See und auf Landwegen sei eine gemeinsame globale Verantwortung, die einen anhaltenden politischen Willen, Ressourcen und schutzorientierte Maßnahmen erfordere. Damit könne man sicherstellen, "dass Migration sicherer, geordneter und humaner verläuft".
Der Weg über das zentrale Mittelmeer ist nach Angaben der Organisation die gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt. Allein im vergangenen Jahr starben auf dieser Route demnach mindestens 1340 Menschen. Zwischen 2014 und 2025 starben laut IOM mehr als 33.000 Migrantinnen und Migranten im Mittelmeer oder wurden als vermisst gemeldet.