Panorama

Retter suchen nach Vermissten Sechs Tote nach Gletscherbruch in Norditalien

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Ein riesiges Stück des Gletschers löst sich und stürzt zu Tal. Diese Aufnahme zeigt die Stelle nach dem Unglück.

(Foto: via REUTERS)

Mehrere Seilschaften sowie einzelne Bergsteiger sind am Marmolata in den norditalienischen Dolomiten unterwegs, als der Gletscher abbricht. Mindestens sechs Menschen kommen dabei ums Leben, 14 verletzen sich. Noch ist unklar, ob es noch mehr Opfer gibt.

Bei einem massiven Gletscherbruch in Norditalien sind mindestens sechs Menschen getötet. Das gab die Rettungsleitstelle der Region Venetien nach dem Unglück bekannt. Bis zu 14 weitere Alpinisten wurden nach Angaben von Regionalpräsident Maurizio Fugatti verletzt, einer von ihnen schwer. Weitere Opfer werden befürchtet.

Nach weiteren Bergsteigern unter den Eis-, Schnee- und Felsmassen wird unter anderem mit fünf Helikoptern und mehreren Hundestaffeln gesucht. Über die Nationalität der Opfer wurde zunächst nichts bekannt. 18 Menschen befanden sich den Angaben zufolge oberhalb der abgebrochenen Stelle und warteten auf ihre Rettung.

Am Bergmassiv Marmolata hatte sich ein großer Gletscherbrocken in der Nähe des Punta Rocca an der Aufstiegsroute zum Gipfel gelöst und war zu Tal gestürzt. Dabei wurde auch der normale Aufstiegsweg auf den 3343 Meter hohen Berg getroffen, auf dem sich gerade mehrere Seilschaften befanden; zwei davon wurden getroffen. Einen Schwerverletzten flogen die Retter in ein Krankenhaus von Treviso. Zwei weitere Verletzte kamen in das Krankenhaus Belluno, fünf nach Trient.

Wegen der Gefahr von neuen Gletscherstürzen wurde die Suche nach weiteren Opfern am Boden nach einigen Stunden vorerst unterbrochen. Wie die Einsatzkräfte mitteilten, wurden die Bergretter von der Flanke des Berges Marmolata abgezogen. Zunächst müsse geklärt werden, wie sicher die Lage für die Helfer sei. Die Helikopter waren indes weiter im Einsatz. Der gesamte Gletscher wurde gesperrt.

"Schlimmstmöglicher Zeitpunkt" für Unglück

"Wir haben ein lautes Geräusch gehört, typisch für einen Bergsturz", sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Ansa. "Danach sahen wir eine Lawine von Schnee und Eis in hoher Geschwindigkeit in Richtung Tal stürzen und wir wussten, dass etwas Schlimmes passiert ist." Auch Videoaufnahmen zeigen diesen Moment.

Carlo Budel, der Hüttenwirt der Schutzhütte Capanna Punta Penia, sprach in einem Instagram-Video vom "schlimmstmöglichen Zeitpunkt und Tag, an dem sich der Brocken lösen konnte". Kurz nach Mittag waren an dem sommerlichen Sonntag unzählige Bergsteigerinnen und Bergsteiger an dem beliebten Massiv unterwegs. Budel forderte alle Alpinisten auf, bis auf Weiteres nicht auf die Marmolata zu kommen. "Bleibt so weit wie möglich von diesem Gletscher weg", mahnte der Hüttenwirt.

Bergretter Luigi Felicetti berichtete: "Als wir vor Ort ankamen, bot sich uns ein unglaubliches Bild. Überall lagen Eisblöcke und riesige Steine. Wir haben dann angefangen, nach den Leuten zu suchen." Ministerpräsident Mario Draghi sprach den Opfern und Angehörigen am Abend sein Beileid aus und kündigte an, sich vom Zivilschutz und den regionalen Politikern auf dem Laufenden halten zu lassen.

Der Gletscherbruch ereignete sich einen Tag, nachdem die Rekordtemperatur von zehn Grad auf dem Gipfel des Gletschers gemessen worden war. Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" zitierte Experten, wonach weitere Gletscherabbrüche zu befürchten seien.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP

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