Eltern, Bruder und Cousin totSechsjährige überlebt als Einzige ihrer Familie Zugunglück

Mindestens 40 Menschen verlieren bei dem schweren Zugunglück in Spanien ihr Leben. Eine Sechsjährige überlebt mit nur leichten Verletzungen. Doch sie verliert bei dem furchtbaren Zusammenstoß ihre Familie.
Noch immer stehen die genauen Opferzahlen des Zugunglücks in Spanien nicht fest. Der Präsident der Regionalregierung von Andalusien, Juan Manuel Moreno, sagte am Montagabend, dass die Zahl der bestätigten Todesfälle nun bei 40 liege. Moreno fügte hinzu, dass es 24 bis 48 Stunden dauern werde, "um mit Sicherheit zu wissen, wie viele Todesopfer dieser schreckliche Unfall gefordert hat". Es wird vermutet, dass während der Aufräumarbeiten noch weitere Leichen entdeckt werden.
Derweil werden immer mehr Opfer identifiziert. Ein Fall, der die Spanierinnen und Spanier besonders bewegt, ist der einer Sechsjährigen, die bei dem Unglück fast ihre gesamte Familie verloren hat. Die Familie war auf dem Rückweg aus Madrid, nachdem sie sich das Musical "Der König der Löwen" angesehen und anschließend Real Madrid beim Sieg über Levante im Santiago-Bernabeu-Stadion angefeuert hatte.
Die Tragödie ereignete sich am Sonntag gegen 18.40 Uhr Ortszeit in Adamuz in der Nähe der Stadt Córdoba, als ein Zug aus bisher noch unklarer Ursache entgleiste und auf ein anderes Gleis geriet, woraufhin ein zweiter Zug in die Trümmer raste. In den chaotischen Stunden nach dem Unfall unternahmen Familie und Freunde verzweifelte Versuche, die Eltern des jungen Mädchens, ihren zwölfjährigen Bruder Pepe und ihren Cousin Felix ausfindig zu machen.
Trügerische Hoffnung
Kurz keimte Hoffnung auf, als Gerüchte die Runde machten, dass Verwandte möglicherweise überlebt hätten. Der Bürgermeister von Punta Umbria, Jose Carlos Hernandez Casino, sagte zwischenzeitlich, der Bruder des Mädchens sei lebend im Krankenhaus gefunden worden. Später stellte sich jedoch heraus, dass der Junge ebenso wie seine Eltern und sein Cousin ums Leben gekommen war.
Die Eltern wurden inzwischen als Jose Zamorano und Cristina Alvarez identifiziert. Das Mädchen konnte den Zug aus eigener Kraft verlassen und wurde unmittelbar nach der Katastrophe zunächst in die Obhut der Behörden genommen. Inzwischen ist das Kind mit seiner Großmutter in einem Hotel in Córdoba. Erstaunlicherweise soll das Kind praktisch unverletzt sein. Lediglich eine kleine Kopfverletzung musste demnach mit drei Stichen genäht werden.
Hernandez Casino bestätigte später den Tod der Familie und schrieb in den sozialen Medien: "Ich habe mich lange dagegen gesträubt, weil es Hoffnung gab, aber nachdem die Entdeckung der Leichen der Mitglieder der Familie Zamorano Alvarez bestätigt wurde, die seit gestern Abend infolge eines Zugunglücks vermisst wurden, habe ich eine dreitägige Staatstrauer angeordnet." Er teile "die Trauer aller betroffenen Familien und übermittle ihnen die Unterstützung, den Respekt und die Solidarität der gesamten Stadtverwaltung und aller Bürger".
Auch von Menschen, die die Familie persönlich kannten, trafen zahlreiche Beileidsbekundungen ein. Eine Freundin schrieb: "Mein tiefstes Beileid der Familie. Möge Gott ihnen Trost spenden. Dies ist ein großer Verlust für alle. Ich war schockiert von der Nachricht. Cristina war meine Klassenkameradin, und wir haben viele Jahre zusammen verbracht."