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Großer Missbrauchsfall in NRW Sind noch weitere Kinder in Gefahr?

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Der Fall von Bergisch-Gladbach wird immer größer. Möglicherweise gibt es noch mehr Opfer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach werden bislang acht Verdächtige festgenommen. Doch die Polizei befürchtet aufgrund der hohen Zahl kinderpornografischer Bilder, dass der Missbrauch weitergeht und es noch mehr Opfer und Täter geben könnte. Das setzt die Ermittler unter Zeitdruck.

Erneut erschüttert ein großer Fall von sexueller Gewalt gegen Kinder Nordrhein-Westfalen. Wie viele Minderjährige werden noch missbraucht und wie viele Täter sind bislang noch nicht entdeckt worden? Diese Frage treibt die Ermittler im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach um.

Bislang sind acht Männer wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch festgenommen worden. Doch möglicherweise sind noch weit mehr Täter verwickelt, als bisher bekannt sind. Auch das endgültige Ausmaß der Taten ist völlig unklar. Es könnten noch immer Kinder in einer Missbrauchssituation sein. Laut einem Bericht der "Westdeutschen Zeitung" sollen die Täter des nun aufgeflogenen Kinderpornorings aus einem festen sozialen Umfeld stammen.

Nach Angaben der Kölner Polizei sind derzeit 150 Ermittler mit dem Fall beschäftigt. Es sei zu erwarten, dass sich die Ermittlungen auf weitere Bundesländer, möglicherweise sogar bis ins Ausland ausweiten. Das Bundeskriminalamt sowie die Landeskriminalämter stimmen sich derzeit über das weitere Vorgehen ab. Die sichergestellten Daten werden derzeit zentral im LKA in Düsseldorf ausgewertet. Der Ermittlungsdruck ist hoch, denn die Zeit verrinnt und die Behörden wollen noch mehr Leid verhindern. Doch dafür müssen die Polizisten und IT-Spezialisten alle kinderpornografischen Dateien schnellstmöglich analysieren. Bei den Opfern soll es sich nach bisherigen Erkenntnissen um Kinder zwischen einem und elf Jahren handeln, sie seien größtenteils Kinder und Stiefkinder der Tatverdächtigen.

Der aktuelle Kindesmissbrauchsfall war Ende Oktober in NRW aufgedeckt worden, als bei einer Hausdurchsuchung eines 42-jährigen Familienvaters große Datenmengen von kinderpornografischem Material von der Polizei sichergestellt wurden. Die Daten sollen laut Medienberichten zehn Terabyte groß sein. Eine weitere Auswertung seines Smartphones hatte die Polizei zu den weiteren Verdächtigen geführt, die nach und nach festgenommen wurden. Hier laufen die Ermittlungen noch. Am Montag kam es zur achten Festnahme. Es bestehe der Verdacht auf sexuellen Missbrauch - doch anders als bei den anderen festgenommen Verdächtigen nicht von eigenen Kindern, sondern anderen Opfern.

Bei den Ermittlungen zu den neuen Missbrauchsfällen in NRW sollen Behörden einem Bericht zufolge auch Fehler gemacht haben. Die Polizei habe der Staatsanwaltschaft Kleve schon am 10. Juni Akten über einen mutmaßlichen Täter im Großraum Wesel übergeben, berichtete die "Rheinische Post" am vergangenen Freitag. Der Mann sei aber erst am 25. Oktober festgenommen worden.

Bildmaterial in Chat-Gruppen getauscht

Nur wenige Monate nach dem Missbrauchsskandal auf dem Campingplatz von Lügde ist es erneut ein Fall, der die weitreichenden Verbindungen von Tätern offenbart, die sich ihre Opfer gegenseitig anbieten, zuführen und das kinderpornografische Material untereinander verbreiten. Es gebe "sehr deutliche Hinweise" darauf, "dass sich mindestens zwei der beschuldigten Männer die eigenen Kinder gegenseitig zugeführt haben", sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem "Spiegel". Der Täterkreis liegt bislang in NRW, nur einer der Festgenommenen stammt aus dem Raum Wiesbaden. Nach Angaben der Polizei soll Bildmaterial des Kindesmissbrauchs aber in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern ausgetauscht worden sein.

Im vorherigen Fall Lügde wurden riesige Datenmengen mit Kinderpornos gefunden, insgesamt wurden 23 Opfer auf dem Campingplatz "Eichwald" missbraucht und gefilmt. Mittlerweile sind die Täter verurteilt worden. Der Fall und die schwierige Ermittlungsarbeit hat in NRW schon zu Konsequenzen geführt: Die komplette Ermittlungsarbeit soll verändert werden.

NRW hat 2019 eine Stabsstelle Kinderpornografie eingerichtet, um besser und effektiver gegen Kindesmissbrauch und die Verbreitung von pornografischem Material von Minderjährigen vorzugehen. Die Datenauswertung dauert besonders bei einer großen Anzahl von Bildern und Filmen lange. Mehr Ermittler sichten inzwischen das komplette Material, um gezielt weitere Opfer ausfindig zu machen. Zudem wird dass LKA mit weiteren 26 Spezialisten in Sachen Missbrauch und Kinderpornografie ausgestattet.

Quelle: n-tv.de

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