Panorama

Urnengang im Skatclub So kreativ sind Deutschlands Wahllokale

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Manchmal sind die Wahllokale ganz klein. So wie dieses auf der Hallig Gröde im Jahr 2013.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Ob auf einer Hallig oder dem platten Festland: Manche Gemeinden haben keine öffentlichen Orte, die zum Wahllokal gemacht werden können. Dann werden die Verwaltungen kreativ - und es wird auch schon mal ein Skatclub umfunktioniert.

Die gute Stube von Bürgermeister Volker Mommsen auf der kleinen Hallig Gröde im nordfriesischen Wattenmeer ist eines der ungewöhnlichsten Wahllokale Deutschlands. Doch zur Bundestagswahl wird Mommsen in seinem Wohnzimmer keine Wahlurne aufstellen. Die neun Wahlberechtigten des kleinsten Wahlbezirks Deutschlands stimmen laut Mommsen alle per Briefwahl ab. Der Grund: Einige Hallig-Bewohner sind am Wahlwochenende auf dem Festland. Dadurch seien nicht genügend Wähler vor Ort, um das Wahlgeheimnis gewährleisten zu können, erklärt der Bürgermeister.

Die Hallig Gröde ist kein Einzelfall. Besonders auf dem platten Land gibt es in Schleswig-Holstein zahlreiche Wahlbezirke, in denen es kein Rathaus, kein Pastorat, kein "Dörpshus", keine Schule gibt. Fehlt dort auch das Hinterzimmer einer Dorfschänke oder der Frühstücksraum eines Hotels, muss eben das Wohnzimmer des Bürgermeisters zum Wahllokal umfunktioniert werden.

So radelte schon der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen bei der Wahl 2008 zur Stimmabgabe mit dem Fahrrad zu seinem Bruder Uwe Elsner - damals Bürgermeister seines Heimatortes Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand in Nordfriesland. Auch dort stand die Wahlurne auf dem Wohnzimmertisch.

Briefwahl wahrt Briefgeheimnis

Die kleine Gemeinde zählt knapp 50 Einwohner, Straßennamen gibt es hier nicht, nur Hausnummern. Da Elisabeth-Sophien-Koog keine eigene Feuerwehr hat - also auch kein Feuerwehrgerätehaus - trifft man sich bei den "Nachbarn" zur Stimmabgabe. Diesmal wird es das Haus mit der Nummer 8 sein. Dort wohnt Elsners Nachfolgerin, Bürgermeisterin Ute Clausen. Doch auch größere Orte haben ungewöhnliche Wahllokale: Zum Beispiel den "Marner Skatclub" - ein Heimatmuseum in Dithmarschen, oder das Marner Ärztezentrum.

Auf der Insel Neuwerk wird übrigens keine Wahlurne aufgestellt. Dort reicht der gelbe Postkasten, denn die 25 Wahlberechtigten im kleinsten Hamburger Wahlbezirk stimmen traditionell per Briefwahl ab, um das Wahlgeheimnis zu wahren, wie der Landeswahlleiter erklärt.

Quelle: ntv.de, Wolfgang Runge, dpa

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