Panorama

Drei Erkrankte, drei Erfahrungen So verschieden erleben Menschen Covid-19

Covid-19 wird bei den Patienten mithilfe eines Abstrich-Tests festgestellt.

Covid-19 wird bei den Patienten mithilfe eines Abstrich-Tests festgestellt.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Woran bemerkt man eine Infektion mit dem Coronavirus? Und wie fühlt sich das alles an? ntv.de lässt Menschen zu Wort kommen, die Covid-19 unterschiedlich erlebt haben. Drei Menschen - drei Erfahrungsberichte.

Jan Gelhaus (Arzt, 46 Jahre)

Ich hatte Symptome eines stärkeren grippalen Infekts, die sich nicht von alleine legten. Normalerweise wäre ich deswegen nicht zum Arzt gegangen und auch nicht der Arbeit fern geblieben. Aber aufgrund der Corona-Pandemie, und weil ich selbst Arzt bin und jeden Tag viele Patienten versorge, war mir das ein bisschen unheimlich. Dieses Krankheitsgefühl dauerte ein paar Tage an - ich hatte Kopf- und Gliederschmerzen, dazu noch Augenschmerzen und war völlig abgeschlagen, allerdings ohne an Fieber oder Husten zu leiden.

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Am Tag vor meiner Diagnose habe ich mich so krank und schlecht gefühlt, dass ich mich abends direkt ins Bett legen musste. Auch weil meine Frau mir gut zugeredet hat, habe ich bei mir kurzerhand selbst einen Abstrich gemacht, denn in meiner Praxis kann ich einen Test unkompliziert ins Labor schicken. So habe ich schnell erfahren, genauer gesagt während Merkels Fernsehansprache, dass ich mit dem Coronavirus infiziert war.

Als ich das Testergebnis erhielt, habe ich meiner Familie, Kollegen und Patienten, bei denen ich am Vortag auf Hausbesuch war, Bescheid gesagt. Die Praxis wurde daraufhin für einige Tage geschlossen und alle übrigen Patienten vom Gesundheitsamt kontaktiert. Das für mich zuständige Gesundheitsamt zu erreichen war nicht leicht, trotz mehrerer Versuche konnte ich niemanden sprechen. Am Nachmittag rief das Amt mich an und teilte mir mit, dass ich nun 14 Tage unter Quarantäne stünde. Ich hatte noch etwa drei, vier Tage lang Symptome, dann war es auch schon wieder vorbei. Selbstverständlich mussten wir weiter zu Hause bleiben.

Einen Tag bevor ich wieder arbeiten durfte, habe ich noch einmal einen Test gemacht. Als Arzt mit Patientenkontakt wollte ich ganz sicher gehen, dass ich nun nicht mehr ansteckend bin. Bis heute kann ich nicht genau deuten, wer mich angesteckt hat, aber ich habe selbst anscheinend auch niemanden angesteckt. Meine beiden Kinder und meine Frau sind alle gesund geblieben - und auch alle Praxiskollegen sind negativ getestet worden. Nachdem die Krankheit ausgeheilt war, hatte ich wieder Kontakt zu einem Covid-19-Patienten. Man kann ständig Kontakt zu Erkrankten haben - und man weiß es gar nicht. Und das geht vermutlich jedem so, nicht nur Ärzten.

Anonym (Frau, 33 Jahre)

Ich hatte zunächst eine Woche eine sehr starke Erkältung, anschließend fühlte ich mich eine Woche wieder komplett gesund. Plötzlich, von einem Moment auf den anderen, war ich wieder extrem schlapp. Meine Nase war zu, ich habe mich müde und abgeschlagen gefühlt. Zwei Tage später war dann auch mein kompletter Geruchs- und Geschmackssinn verschwunden. Da ich kein Fieber hatte, habe ich zunächst vermutet, die Erkältung wäre wieder gekommen und hatte keinen expliziten Corona-Verdacht.

Zu diesem Zeitpunkt erschienen aber die ersten Studien, dass 60 Prozent der Patienten in Heinsberg ihren Geschmacks- und Geruchssinn verloren hatten. Als ich das las, wurde ich natürlich hellhörig. Hinzu kommt, dass ich schwanger bin, weshalb ich dann meine Hausärztin anrief, die mich umgehend testete. Das war draußen auf der Straße, sie war in kompletter Sicherheits-Montur gekleidet. Es war sehr unkompliziert und sie war mir absolut wohlgesonnen. Die Ärztin war auch die komplette Zeit für mich erreichbar, wir haben sogar geskyped. Anderthalb Tage später hatte ich das positive Ergebnis. Dass der Test und das Ergebnis so schnell erfolgt sind, hängt wahrscheinlich mit der Schwangerschaft zusammen. Eine Hebamme aus dem Team des Gesundheitsamts rief mich dann jeden Tag an und erkundigte sich nach meinem Zustand. Die Beratung war sehr empathisch und kompetent.

Die Abgeschlagenheit ließ allmählich nach, weshalb ich dann aus dem Home Office gearbeitet habe. Der Geschmacks- und Geruchssinn waren allerdings eine Woche lang weg. Ich habe wirklich rein gar nichts geschmeckt oder gerochen. Das und die weiteren Symptome sowie die Quarantäne, also beispielsweise keinerlei Spaziergänge an der frischen Luft, haben mich natürlich belastet, aber ich konnte es eigentlich ganz gut wegstecken.

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Leider wurden die Erkältungsbeschwerden nach einigen Tagen noch heftiger und ich hatte Probleme mit Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung. Ich habe mich daraufhin fünf Tage komplett ausgeruht, nicht gearbeitet und viel geschlafen. Zum Ende der Quarantäne, also nach 14 Tagen, waren die Symptome fast gänzlich abgeklungen. Ich konnte nochmals einen Test machen, der dann negativ ausfiel. Nun warte ich aktuell darauf, einen Antikörper-Test machen zu können.

Malte Bedürftig (36 Jahre)

Es fing eigentlich mit meinem Mitbewohner an. Denn er war von einem auf den anderen Tag ziemlich kaputt und wurde krank. Bestimmte Symptome waren im ersten Moment aber nicht erkennbar. Ich wurde erst etwas später darauf aufmerksam und dachte zunächst, es könnte auch eine andere Erkrankung außer Corona sein. Der zweite Gedanke war dann, dass ich mich auch angesteckt haben könnte. Und so war es dann auch - ungefähr zwei Tage versetzt, bemerkte ich ebenfalls, dass ich mich schlapp fühlte und Halsschmerzen bekam. Dann wurde es aber schlimmer und Fieber kam hinzu, ich war ziemlich K.o. Zwei Tage lang war es so schlimm. Dann haben wir - mein Mitbewohner und ich - uns dazu entschlossen, uns auf Corona testen zu lassen und sind zu einem zentralen Test-Center gegangen. Beim ersten Mal war es aber so voll, dass wir wieder gegangen sind. Beim zweiten Mal standen wir dann mehrere Stunden draußen in der Schlange und warteten auf den Test-Abstrich.

Während der Phase, als es mir nicht so gut ging, wollte ich in den Nachrichten nichts von all den Corona-Toten hören, da man ja plötzlich selbst betroffen ist. Auch, wenn ich zu keiner Risikogruppe gehöre, wollte ich das alles nicht unbedingt hören. Man wusste während der Erkrankung eben auch nicht, ob das der Anfang war - oder ob man schon 'über den Berg' ist. Nach meiner kurzen Fieberphase ging es auch langsam wieder besser. Das Ergebnis war aber immer noch nicht da. Ein Paar Tage nach dem Test erhielten mein Mitbewohner und ich beide dann das positive Ergebnis. Ich war dann eigentlich ganz froh, dass sich unser Verdacht bestätigte, weil ich dann damit 'durch war' und ich einen relativ milden Verlauf hatte.

Aufgezeichnet von Sonja Gurris

Quelle: ntv.de