Panorama

Coronavirus-Fälle in Deutschland Spahn spricht von "Beginn einer Epidemie"

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"Lage hat sich in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen", erklärte Gesundheitsminister Spahn.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Lage beim Thema Coronavirus wird unübersichtlicher. Die Infektionsketten sind für die Behörden nicht mehr nachvollziehbar. Gesundheitsminister Spahn fordert die Länder nun auf, ihre Pandemiepläne zu aktivieren.

Die Bundesregierung schlägt Alarm: Deutschland befindet sich Gesundheitsminister Jens Spahn zufolge am Beginn einer Epidemie. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne "zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten", sagte der CDU Politiker weiter. "Die Lage hat sich in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen." Noch sei keine Pandemie ausgebrochen - "aber ich finde es wichtig, dass wir uns auf diese Situation vorbereiten", sagte er.

Vor dem Hintergrund der neuen Coronavirus-Fälle in Deutschland sei "fraglich", ob die bisherige Strategie der Behörden aufgehe - also den Virus einzugrenzen und die Infektionsketten zu unterbrechen. Es habe sich gezeigt, dass die "Infektionsketten teilweise nicht nachvollziehbar sind", sagte Spahn. "Das ist die neue Qualität." Er fügte hinzu: "Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht ergeben."

"Nicht hinter jedem Husten Corona vermuten"

Weiter sagte Spahn: "Wir empfehlen der Bevölkerung, nicht hinter jedem Husten eine Coronainfektion zu vermuten." Er fordere die Bürger aber ausdrücklich auf, "dass Sie Ihren Hausarzt anrufen und die Behandlung abklären, wenn innerhalb von 14 Tagen nach Reisen in Gebiete, in denen Infektionen vorgekommen sind, Fieber, Husten oder Atemnot sich entwickeln - oder wenn Sie Kontakt hatten mit Personen, die in diesen Gebieten gewesen sind".

Diesen Aufruf habe er am Mittwoch bei einem Krisentreffen mit Vertretern der Ärzteschaft, der Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken und Pflegeverbänden so abgesprochen, sagte Spahn. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass bei vorhandener Symptomatik oder bei Verdacht jetzt besser einmal mehr auf das Virus getestet wird als einmal zu wenig."

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Am morgigen Donnerstag will Spahn gemeinsam mit Bundesinnenminister Horst Seehofer über die Einberufung eines Krisenstabs zum Coronavirus informieren. Am kommenden Mittwoch sollen dann die Gesundheitsminister der Länder in Berlin zu Beratungen zusammenkommen.

Krankenhäuser könnten planbare Eingriffe verschieben

Reisebeschränkungen oder ein generelles Verbot von Großveranstaltungen halte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für verhältnismäßig, sagte Spahn. Mit den Ländern und den Gesundheitsverbänden sei er im Gespräch über Notfallmaßnahmen; so sei es "offenkundig absehbar", dass es in Europa und der Welt zu einer "Knappheit" an medizinischen Schutzanzügen kommen könnte. Denkbar sei, in Krankenhäusern "möglicherweise planbare Eingriffe zurückzustellen, um die Akutversorgung sicherzustellen".

So schützen Sie sich gegen das Coronavirus

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, empfiehlt das Robert-Koch-Institut einige Verhaltensregeln:

  • Hände mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife waschen.
  • In die Ellenbeuge husten und niesen, damit die Hände sauber bleiben. Dabei Abstand zu anderen Menschen halten.
  • Hände vom Gesicht fernhalten, aufs Händeschütteln verzichten.
  • In öffentlichen Einrichtungen Hände möglichst mit einem Papiertuch trocknen.
  • Im Büro und zu Hause regelmäßig lüften.

Bereits zuvor hatte Regierungssprecher Steffen Seibert gesagt, dass sich die Bundesregierung auf eine Zunahme der Coronavirusfälle vorbereite. In Nordrhein-Westfalen sind inzwischen zwei Fälle bekannt, in Baden-Württemberg vier. In den betroffenen Bundesländern wurden Krisenstäbe eingerichtet, die vom Ministerium sowie dem Robert-Koch-Institut unterstützt werden.

Regierungssprecher Seibert sagte, mit der Ausbreitung des Virus in Italien sei eine "neue herausfordernde Lage für Deutschland" entstanden. Europaweit ist aktuell Italien mit zehn Todes- und mehr als 300 Ansteckungsfällen der größte Infektionsherd mit dem neuartigen Coronavirus. Wichtig sei der Bundesregierung, sich bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie "mit den europäischen Partnern" abzustimmen, sagte Seibert.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP