Panorama

EU-weit die meisten Infektionen Spanien übersteigt Corona-Millionenmarke

131476906.jpg

Während der strengen Ausgangssperre im Frühjahr bildeten sich lange Schlangen vor den Supermärkten in Madrid.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erneut wird Spanien von der Pandemie hart getroffen. Die Infektionszahlen steigen rasant an, eine Region nach der anderen verschärft die Maßnahmen. Nach einem strikten landesweiten Lockdown bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr steht das Land nun wieder kurz davor.

Spanien hat als erstes EU-Land die Schwelle von einer Million Corona-Infektionen überschritten. Mit 16.973 Neuinfektionen binnen 24 Stunden stieg die Zahl der nachgewiesenen Ansteckungen am Mittwoch auf 1.005.295 Fälle, wie das Gesundheitsministerium in Madrid am Abend mitteilte. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus stieg demnach um 156 auf 34.366.

Unterdessen wurden die strengen Maßnahmen im Land auf die Region Aragon und die nördliche Provinz La Rioja ausgeweitet, weil dort in den vergangenen 14 Tagen mehr als 500 Infektionen auf 100.000 Einwohner registriert wurden. "Die Situation ist offen gesagt besorgniserregend", sagte der Regionalpräsident Aragons, Javier Lambán, bei einer Pressekonferenz.

*Datenschutz

Ab Donnerstag sollen deshalb die Corona-Maßnahmen in Aragon verschärft werden. Das betreffe auch die Einwohner der Großstadt Saragossa sowie der Städte Huesca und Teruel. Demnach darf die Orte nur noch betreten und verlassen, wer zur Arbeit muss oder studiert. Eine weitere Ausnahme soll für pflegebedürftige Menschen gelten. Ähnliche Maßnahmen sehen die Behörden in La Rioja vor. Ab Freitag sollen in der Provinz Geschäfte, Bars und Restaurants ab 21 Uhr geschlossen werden. Auch die Region Kastilien und León kündigte verschärfte Restriktionen an.

Vor einer Woche ordnete bereits Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona die Schließung aller Bars und Restaurants an. Die Anweisung gelte zunächst für 15 Tage, hieß es. Zugleich erließ die Regionalregierung weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Einkaufszentren und größere Supermärkte mussten die Zahl der Kunden auf 30 Prozent ihrer normalen Kapazität beschränken. Für Fitnesszentren, Kinos und Theater galt eine Beschränkung auf 50 Prozent. Spielplätze mussten ab 20 Uhr geschlossen werden. Zuvor war schon dringend angeraten worden, wo immer möglich zum Homeoffice zurückzukehren.

Immer mehr Corona-Patienten in Kliniken

Zuvor hatte die spanische Regierung über die Hauptstadt den Notstand verhängt. In Madrid und einigen Vororten durften die Menschen ab 9. Oktober ihre Wohngemeinde nur mit triftigem Grund verlassen - etwa für den Weg zur Arbeit oder für Arztbesuche. Der Notstand sollte zwei Wochen gelten. Betroffen sind davon knapp 4,8 Millionen Menschen.

Derweil steigt der Anteil der Covid-19-Patienten in Spaniens Krankenhäusern weiter an. "Wenn das in dem Tempo der vergangenen Wochen weitergeht, wird es unausweichlich sein, nicht prioritäre Arbeiten neu zu terminieren oder aufzuschieben", sagte etwa Julio Pascual, medizinischer Direktor des Hospital del Mar in Barcelona.

Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa kündigte an, dass die Regierung die Option einer Ausgangssperre überprüfe. Bereits im Frühjahr galt für die 46 Millionen Einwohner eine strikte Ausgangssperre. Sie durften ihr Zuhause nur verlassen, um zur Arbeit zu gelangen, Einkäufe zu erledigen, Medikamente zu besorgen oder mit dem Hund Gassi zu gehen.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP