Drogenboss trat in Musikclip aufSpaniens "Escobar" gefasst

Die Brüder Tejón werden in Spanien "die Escobars" genannt. Mit Haschischhandel machten sie Millionen. Einer der beiden wurde im Juni gefasst, sein Bruder sorgte derweil mit einem Auftritt in einem Musikvideo für Furore. Doch damit bringt er die Polizei auf seine Spur.
Nach einem Aufsehen erregenden Auftritt in einem Musikvideo ist einer der meistgesuchten Drogenbosse Spaniens festgenommen worden. Francisco Tejón habe sich im Beisein seiner Anwälte in seinem Haus in der Stadt La Línea de la Concepción im Süden Spaniens gestellt, nachdem die Behörden dem 39-Jährigen in den vergangenen Tagen bereits auf die Spur gekommen waren und ihn observiert hatten, wie die Polizei mitteilte.
Tejón hatte zuvor mit einem Auftritt in einem Anfang des Monats veröffentlichten Musikvideo des Reggaeton-Sängers Clase A für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Video ist unter anderem zu sehen, wie der Sänger und Tejón aus einem Luxusauto, einem Bentley Continental, steigen und anschließend in einem Haus inmitten leicht bekleideter Frauen und vieler Champagnerflaschen Party machen.
Der Festgenommene galt seit einigen Monaten als alleiniger Chef des berüchtigten Clans "Los Castañas", nachdem sein Bruder Antonio bereits im Juni gefasst worden war. Nach Schätzung der Polizei kontrolliert die Bande rund 70 Prozent des Haschischhandels in der andalusischen Provinz Cádiz im Süden Spaniens.
30 Millionen Euro durch Haschischhandel
Die relativ arme Region um die Stadt La Línea de la Concepción unweit von Gibraltar - dem Hauptaktionsfeld der "Los Castañas" - ist seit Jahrzehnten eine Drogenhochburg. An der Straße von Gibraltar trennen nur 14 Kilometer Spanien von Marokko, einem der größten Haschischproduzenten der Welt. An den Badestränden von Cádiz entladen Schmuggler das Rauschgift tonnenweise. Die Droge wird von dort aus nach ganz Europa verteilt.
"Los Castañas" wird die Bande genannt, weil die Eltern und Großeltern der Tejóns mit dem Verkauf von Esskastanien ihren Lebensunterhalt bestritten haben, obwohl die Familie schon damals im Drogenhandel mitgemacht haben soll. Francisco und Antonio Tejón sollen das Familiengeschäft aber in eine neue Dimension geführt und ein Vermögen von rund 30 Millionen Euro angehäuft haben. In Anlehnung an den legendären kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar werden die Brüder Francisco und Antonio in La Línea nach Medienberichten auch "die Escobars" genannt, weil auch sie angeblich den armen Menschen ihrer Region geholfen haben sollen.