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Crowdfunding-Projekt Spenden für Holocaust-Tagebücher gesucht

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Das Holocaust Memorial Museum will über 200 Tagebücher digitalisieren.

(Foto: US Holocaust Memorial Museum Sammlung, Geschenk der Familie von Joseph-Streifen)

Anne Franks Tagebuch vom Leben in einem Amsterdamer Versteck während des Holocaust ist zwar eines der berühmtesten Dokumente des Völkermords, aber bei Weitem nicht das einzige seiner Art. Ein Museum will nun mehr Geschichten publik machen.

Die meisten Menschen sind mit dem Tagebuch der Anne Frank vertraut - jenem ergreifenden Dokument über das Schicksal einer von den Nationalsozialisten verfolgten Familie und der Sehnsucht einer sensiblen Jugendlichen nach einem normalen Leben jenseits des Terrors. Anne Franks Tagebuch prägte das Bewusstsein der Welt über die Verfolgung der europäischen Juden, doch es längst nicht das einzige seiner Art.

Angesichts der wachsenden Holocaust-Leugnung will das U.S. Holocaust Memorial Museum über 200 Tagebücher von Opfern und Überlebenden des Holocaust digitalisieren. Jedes Tagebuch habe eine wichtige Geschichte zu erzählen - vom Leiden und Stärke, von Verfolgung und Ausdauer. Es sei die Aufgabe des Museums, die Stimmen jener Zeitzeugen zu bewahren.

Deshalb startet das Museum in Washington zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Crowdfunding-Projekt. Das Ziel ist es, 250.000 Dollar zusammenzubekommen, um die handgeschriebenen Seiten und Notizen aus insgesamt 17 verschiedenen Sprachen ins Englische übersetzen und digitalisieren zu können. Dadurch erhofft sich das Museum, die Tagebücher vielen Menschen zugänglich zu machen - und dem Schrecken des Holocaust persönliche Gesichter zu geben. Unter den Dokumenten, die digitalisiert werden sollen, hebt das Museum drei besonders hervor:

  • Das Tagebuch von Joseph Strip, der als 17-Jähriger aus Antwerpen nach Frankreich geflohen ist und die grausamen Erlebnisse seiner Familie in seinem Mathe-Übungsbuch notiert und mit Zeichnungen illustriert hat.
  • Dokumente und Briefe von Lucien Dreyfus, einem engagierten Journalisten und Professor für moderne Sprachen aus Straßburg. Er wurde 1943 zusammen mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Seine Tagebücher enthalten auch sehr persönliche Botschaften, die er an seine Tochter schrieb.
  • Das Tagebuch von Hans Vogel, der mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder 1936 aus Deutschland nach Paris und später in die USA geflohen ist. Dort starb Hans Vogel 1943 an einer Krankheit, er wurde 16 Jahre alt.

Quelle: n-tv.de, dsi

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