Panorama

Querdenker-Posts geteilt Staatsschutz ermittelt nach Kochsalz-Spritzen

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Missgeschick oder politisch motivierte Tat? Die Polizei ermittelt gegen eine Krankenschwester, die sechs Menschen Kochsalz statt Biontech gespritzt haben soll.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weil eine Ampulle mit Impfstoff hinfällt und zerbricht, spritzt eine Krankenschwester sechs Menschen statt des Biontech-Vakzins eine Kochsalzlösung. Allerdings stößt die Polizei auf ihrem Facebook-Account auf Querdenker-Posts. Nun prüft der Staatsschutz ein politisches Motiv.

Der Fall einer Krankenschwester, die heimlich Corona-Impfstoffe durch Kochsalzlösung ersetzt haben soll, beschäftigt auch den Staatsschutz. Laut "Spiegel" ermitteln inzwischen Spezialisten für politische Kriminalität der Polizeiinspektion Friesland gegen die Mitarbeiterin des Impfzentrums Schortens. Bei der Untersuchung des Falls sei die Polizei auf coronakritische Facebook-Posts der Beschuldigten gestoßen, heißt es in dem Bericht. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass die Frau vertuschen wollte, dass ihr eine Ampulle mit Biontech-Impfstoff hingefallen war.

Die examinierte Krankenschwester habe "eine einstellige Zahl von Posts geteilt", in denen etwa Corona mit der Grippe verglichen wurde, berichtet das Magazin mit Verweis auf Polizeikreise. Über Whatsapp verschickte die Frau demnach eine verleumderische Karikatur, die in Querdenkerkreisen kursiere, hieß es weiter.

Der Fall hatte im Landkreis Friesland für erhebliche Aufregung gesorgt. Weil nicht klar war, welche sechs Personen die wirkungslose Kochsalzlösung erhalten hatten, bekamen mehr als 100 Impflinge eine Einladung zur Blutabnahme mit Antikörpertest. Mit den Tests sollte überprüft werden, wer bereits eine erste Impfung gegen Covid-19 bekommen hat.

Der Kollegin anvertraut

Die inzwischen entlassene Mitarbeiterin des Impfzentrums hatte sich vor rund zwei Wochen einer Kollegin anvertraut und ihr gestanden, am 21. April sechs Spritzen statt mit Biontech-Impfstoff nur mit Kochsalzlösung gefüllt zu haben. Nach Behördenangaben war ihr beim Anmischen des Vakzins ein Fläschchen mit Biontech heruntergefallen, was sie vertuschen wollte. Mit den Testergebnissen rechnet der Kreis bis Montag. Personen ohne Antikörper-Nachweis sollen dann am 12. Mai nachgeimpft werden. Für etwa 80 Betroffene, die bei dem Vorfall eine Zweitimpfung erhielten, kommen Antikörpertests allerdings nicht infrage. Diesen Menschen werde eine dritte Impfung angeboten, hieß es.

Die Polizei ermittelte zunächst wegen eines möglichen Körperverletzungsdelikts. Erste Vernehmungen der Frau fanden bereits Ende April statt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft derweil auch die strafrechtliche Relevanz des Falles. Laut "Spiegel" schließt die Polizei trotz der inzwischen aufgetauchten Posts nicht aus, dass die Krankenschwester das Missgeschick lediglich vertuschen wollte.

Quelle: ntv.de, mau

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