Panorama

Virologe im ntv-Interview Streeck: "Auch Ungeimpften eine Chance geben"

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Streeck plädiert dafür, bei der 3G-Regel zu bleiben, also auch Getesteten den Zugang zum öffentlichen Leben zu gewähren.

Der Virologe Hendrik Streeck sieht die 2G-Regel kritisch. Er meint, nicht nur Genesene und Geimpfte sollten wieder voll am öffentlichen Leben teilnehmen können, sondern weiterhin auch Getestete. Entsprechend kritisch sieht er das Ende der Kostenübernahme.

Der Virologe Hendrik Streeck sieht die 2G-Regel kritisch. Er meint, nicht nur Genesene und Geimpfte sollten wieder voll am öffentlichen Leben teilnehmen können, sondern weiterhin auch Getestete. Entsprechend kritisch sieht er das Ende der Kostenübernahme.

ntv: Der Bundesgesundheitsminister sagt, im Frühjahr sei es vorbei, dann sei die Pandemie zu Ende! Hat er recht?

Hendrik Streeck: Eine Glaskugel habe ich natürlich auch nicht, um zu sagen wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Ich war ein bisschen überrascht, dass er gesagt hat, wir werden eine Herdenimmunität haben. Der Impfstoff schützt sehr gut vor einem schweren Verlauf, aber er schützt eben leider nicht vor einer Infektion. Aber womit er sicherlich Recht hat und vielleicht hat er das auch gemeint, ist, dass wir gerade in einer Übergangsphase sind. Nämlich von einer Pandemie in eine Endemie, in der das Virus den meisten Menschen einfach nichts mehr anhaben kann. Wir werden das immer mal wieder verteilen, auch immer mal wieder Menschen sehen, die an Covid-19 erkranken. Aber dadurch, dass so viele eine Grundimmunität haben, werden wir im Frühjahr kaum so schwere Verläufe haben, wie wir sie jetzt haben. Wann genau dieser Zeitpunkt ist, hängt ganz extrem davon ab, wie viele Menschen sich impfen lassen und leider auf der anderen Seite, wie stark die Durchseuchung in Deutschland ist.

Für Ungeimpfte wird es immer ungemütlicher. Ab Oktober werden nun auch Coronatests kostenpflichtig. Welche Auswirkungen wird das Ihrer Ansicht nach haben?

Ich sehe das sehr kritisch, die Tests jetzt kostenpflichtig zu machen. Erstens waren die Tests für uns immer ein wichtiges Standbein in dieser Pandemie und haben uns gut durch Herbst und Winter gebracht. Darauf zu verzichten, halte ich für keinen guten Weg, gerade jetzt im Herbst und Winter mit steigenden Fallzahlen. Zusätzlich muss man Ungeimpften auch eine Chance geben, am sozialen Leben teilzunehmen, ohne dabei Druck zu verspüren, sich impfen zu lassen. Wenn man sich die Cosmos-Studie anschaut, gibt es eine ganze Reihe an Menschen, die sich ja impfen lassen würden aber sie haben Fragen. Sie wollen gerne mehr aufgeklärt werden über den Impfstoff oder brauchen eben ein besseres Angebot dafür. Da so einen Druck auszuüben, dass sie quasi ausgeschlossen werden von der Gesellschaft und sehr viel dafür bezahlen müssen, wenn sie am sozialen Leben teilnehmen wollen, das halte ich für keinen guten Weg. Damit spreche ich natürlich die 2G-Regel an.

In Hamburg wurden weitere Lockerungen für Veranstalter beschlossen. Wenn diese die 2G-Regel anwenden, also nur noch Geimpfte und Genesene reinlassen, dann dürfen die Clubs wieder ganz normal Party machen, ohne Maske. Ist dieser Schritt richtig?

Ich glaube, wir sind in einer Übergangsphase, in der wir ein wenig ausprobieren müssen, was man machen kann und was nicht. Ich denke, es ist richtig, dass man nicht bei 2G, aber bei 3G auch die Masken an bestimmten Orten fallen lässt und auch beobachtet, dass wir da keinen Anstieg haben. Aber ich glaube, wir müssen unser Instrumentarium haben, das wir in der Pandemiebekämpfung immer in der Hinterhand halten und dann gegebenenfalls wieder nach vorne ziehen, falls wir zu hohe Fallzahlen haben. Aber unter 3G ist das Risiko eigentlich gut minimiert, einen großen Ausbruch zu haben oder auch ein Super-Spreading-Event mit Krankenhausbelegung.

Mit Professor Hendrik Streeck sprach Jessica Westen.

Quelle: ntv.de, vpe

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