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Effektivität von 95 Prozent Impfung verhindert fast alle schweren Verläufe

Eine Rot-Kreuz-Fahne hängt über dem Eingang zum Impfzentrum. Foto: B & S/David Rötzschke/dpa-Zentralbild/dpa

Vor symptomatischen Erkrankungen schützt die Corona-Impfung in etwa 83 bis 85 Prozent der Fälle.

(Foto: B & S/David Rötzschke/dpa-Zentralbild/dpa)

Wer sich in Deutschland vollständig hat impfen lassen, muss nach einer Corona-Infektion sehr selten ins Krankenhaus oder auf die Intensivstation. Für unter 60-Jährige besteht rein rechnerisch sogar ein hundertprozentiger Schutz vor tödlichen Covid-19-Erkrankungen.

Die Gesamtzahl der wahrscheinlichen Impfdurchbrüche seit Beginn der Impfkampagne in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der vergangenen Kalenderwoche KW 36 (6. -12. September) von 30.880 auf 39.228 gestiegen. Das entspricht einem Anteil von weniger als vier Prozent an allen seit Beginn des Jahres an das RKI übermittelten, symptomatischen Covid-19-Fälle, wie aus dem aktuellen Wochenbericht hervorgeht. "Der bei Weitem größte Teil der seit der 5. Kalenderwoche übermittelten Covid-19-Fälle war nicht geimpft", betont das Institut darin.

Die Experten schätzen die Schutzwirkung der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe daher als sehr hoch ein. Auf der Grundlage der Daten aus den vergangenen vier Wochen etwa hat das RKI für die zwei wichtigsten Altersgruppen (19 bis 59 Jahre und älter als 60 Jahre) eine geschätzte Impfeffektivität von 83 bis 85 Prozent berechnet. Diese Angaben beziehen sich auf den Schutz vor einer symptomatischen Erkrankung. Wie gut die Impfung vor einer Infektion schützt, muss durch klinisch begleitete Detailstudien ermittelt werden - aus den Meldedaten lässt sich das nicht ableiten. Der Hersteller Moderna hat dazu kürzlich eine Studie vorgelegt.

Die geschätzte Impfeffektivität ist im Hinblick auf einen Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen eindeutig hoch. In 95 bis 96 Prozent der Fälle schützt die vollständige Impfung vor einer Krankenhausaufnahme, in 95 bis 97 Prozent vor der Behandlung auf einer Intensivstation. Erwachsene Geimpfte zwischen 18 und 59 Jahren sind nach Einschätzung des RKI nahezu vollständig vor einem tödlichen Verlauf geschützt (Impfeffektivität von 100 Prozent). Seit Beginn der Impfkampagne ist den Meldedaten zufolge nur eine einzige Person unter 60 Jahre trotz Impfung an einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Die allermeisten nach einem Impfdurchbruch Verstorbenen waren älter als 80 Jahre (398 von insgesamt 513 Fällen).

Die Zahl der Impfdurchbrüche wird bereits seit Beginn der Impfkampagne systematisch erhoben und in regelmäßigen Abständen ausgewertet. Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Das RKI weist in seinem Bericht auf verschiedene verzerrende Faktoren hin. So steigt die Zahl der Impfdurchbrüche naturgemäß, da immer mehr Menschen geimpft sind. Zugleich steigt derzeit auch das Risiko einer Corona-Infektion für die Gesamtbevölkerung. Zahlen aus verschiedenen Bundesländern legen nahe, dass bei Personen mit einem vollständigen Impfschutz deutlich seltener eine Corona-Infektion festgestellt wird als bei Un- oder Teilgeimpften.

Eine Erklärung dafür: Bei Geimpften fallen Infektionen seltener auf, da für sie kaum Testpflichten bestehen und eine Erkrankung oft asymptomatisch verläuft. Viele Impfdurchbrüche könnten unerkannt bleiben. Das RKI beschränkt sich in seiner Auswertung daher auf die Betrachtung und den Vergleich von symptomatischen Covid-19-Fällen unter Geimpften und Ungeimpften. Trotzdem werde die aus den Daten berechnete Impfeffektivität vermutlich eher überschätzt, so die Behörde.

Quelle: ntv.de

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