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Satire-Aktion endet im Gericht Student bringt sein Dorf gegen sich auf

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Henricus Pillardy ist Mitglied der Partei "Die Partei", Stammgast einer linken Studentenkneipe, mag KIZ und die Antilopen Gang.

(Foto: Henricus Pillardy (privat))

Henricus Pillardy langweilt sich in seinem hessischen Dorf. Er will ein bisschen Spaß haben und kandidiert als Bürgermeister - doch seine satirisch gemeinte Kandidatur wird ernst genommen. Nun sitzt der 23-Jährige auf der Anklagebank.

Henricus Pillardy ist 23 Jahre jung, studiert Philosophie in Kassel und ist in Ehringen aufgewachsen, einem kleinen Dorf in Nordhessen in der Nähe von Kassel. Weil seine satirische Bürgermeister-Kandidatur nicht als solche verstanden wurde, steht er nun vor Gericht - wegen Wählertäuschung und Volksverhetzung.

"Das Dorf versammelt sich und bereitet in wilder Freude die finale Lynchjustiz vor", schreibt Pillardy, bei dem man nie weiß, ob es ernst oder Satire ist, auf Facebook. "Die dem Altersheim entliehenen Damen, welche vor Gericht mit ostentativer Inbrunst die Falschaussage tätigten, ich hätte Urkunden gefälscht, werden wohl weder seitens des Gerichts noch von dem ländlichen Medienapparat gerügt. Dafür gibt es ein 'Nagelturnier' und 'Ahle Wurscht'. Kommt vorbei!"

Der Ärger begann im letzten Jahr. In der Nähe seines Heimatdorfes, in der nordhessischen Kleinstadt Volkmarsen, forderte Pillardy den parteilosen Amtsinhaber Hartmut Linnekugel im Rathaus heraus. Sein Ziel: ein bisschen Spaß haben und für Aufruhr sorgen. "Wir leben in Westeuropa in einer Demokratie und dort habe ich – Mensch sei Dank - das Recht, einen unkonventionellen Wahlkampf zu führen", sagt er n-tv.de dazu. Er habe jedoch nicht wirklich damit gerechnet, gewählt zu werden.

Volksverhetzung und Wählertäuschung

Den Philosophiestudenten reizte vor allem das "fürstliche Gehalt". "Allerdings hätte ich auch politisch versucht, einige längst überfällige Dinge, wie etwa das Cannabis-Verbot, so weit möglich, lokal zu lockern." Mit juristischen Konsequenzen habe er nicht gerechnet, auch nicht, als er überspitzt die Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht kommentierte. So schrieb Pillardy, er lehne monokausale Erklärungen dafür ab - und gab die Schuld Dunkelhäutigen, die "ihre Triebe nicht im Griff haben", und Frauen, "welche sich immer so aufreizend anziehen müssen". Das brachte ihm eine Anzeige wegen Volksverhetzung ein.

Der zweite Vorwurf, dem er sich am Donnerstag stellen muss, ist Wählertäuschung. Beim Sammeln der Unterschriften für seine Bürgermeister-Kandidatur soll er vorgegeben haben, Stimmen zur Rettung des Freibades und eines Jugendraums zu sammeln. Bei der Wahl hatte Pillardy keine Chance: Er bekam nur 4,7 Prozent der Stimmen.

Dafür musste er im November vor Gericht. Das blieb ohne Urteil: Ob er die Unterschriften-Listen manipulierte, sollte zunächst ein Gutachten klären. Sollte Pillardy diesmal vom Amtsgericht Korbach verurteilt werden, droht ihm voraussichtlich eine Geldstrafe. Der Student lädt im Internet dazu ein, die Verhandlung zu verfolgen. Schon im November hatte er angekündigt, man könne ihn dort in "sokratischer Manier für sein Leben kämpfen sehen". Danach will er sich dem Schreiben widmen. "Interesse am öffentlichen Diskurs habe ich trotz dieser Geschichte auch weiterhin."

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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