Täter relativ jungStudie belegt mehr als 300 Missbrauchsfälle bei den Pfadfindern

Eine neue Studie deckt hunderte Fälle sexuellen Missbrauchs bei den Pfadfindern auf. Die Untersuchung listet mehr als 300 Betroffene seit 1973 auf. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forscher von Vergewaltigungen aus.
Übergriffe gegen Jugendliche, Vergewaltigungen im Zeltlager: Hunderte Kinder und Jugendliche sind bei den christlichen Pfadfindern in Deutschland Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Eine in der Zentrale des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen (VCP) in Kassel vorgestellte Studie zweier Forschungsinstitute listet 344 Betroffene sexueller Gewalt zwischen 1973 und 2024 auf und 161 mutmaßliche Täter.
Rund die Hälfte der Taten habe sich bei Pfadfinder-Fahrten oder -Lagern ereignet, und etwa jeder zweite Täter war den Angaben zufolge mit zwischen 18 und 24 Jahren selbst noch relativ jung - und der überwiegende Großteil männlich. Unter den mutmaßlichen Tätern, die die Untersuchung auflistet, sind nur drei weiblich. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forscher von Vergewaltigungen aus.
Peter Caspari vom Münchner Forschungsinstitut IPP sprach von einem erheblichen Ausmaß des Missbrauchs im Verband des VCP. Die beiden Forschungsinstitute hatten seit 2023 rund 1.300 Seiten Akten gesichtet und 79 Interviews mit ehemaligen und aktiven Pfadfindern geführt.
Bereits im Jahr 2024 hatte der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) eine ähnliche Studie vorgestellt, bei der ebenfalls das IPP federführend war. Die Untersuchung geht von mindestens 50 Beschuldigten und 123 Betroffenen aus. Der BdP hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder, der VCP ist mit rund 47.000 Mitgliedern größer und vor allem durch die evangelische Kirche geprägt.