Panorama

Tornado der Stufe F2 Sturm trifft besonders Paderborn und Lippstadt

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Die Spitze des Kirchturms von Hellinghausen bei Lippstadt wurde vom Sturm heruntergerissen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie erwartet bringt das Tief "Emmerlinde" heftige Stürme nach Deutschland. Aus Nordrhein-Westfalen werden zum Teil schwere Schäden gemeldet. In Paderborn werden Dutzende Verletzte gezählt, in Rheinland-Pfalz gibt es einen Toten. Beim Einsturz einer Hütte in Franken verletzen sich 14 Menschen.

Das Sturmtief "Emmelinde" hat im Westen Deutschlands, insbesondere in Ostwestfalen, zum Teil schwere Schäden angerichtet, einen Toten gab es in Rheinland-Pfalz zu beklagen. In Paderborn wurden 43 Menschen verletzt, 30 werden in Krankenhäusern behandelt, wie die Polizei am späten Abend mitteilt. Zehn Menschen wurden demnach schwerer verletzt, eine Frau schwebt in Lebensgefahr. Das Unwetter verursachte zudem Schäden in Millionenhöhe. Ein Feuerwehrsprecher berichtete am frühen Abend von abgedeckten Dächern und entwurzelten Bäumen. Bäume stürzten auf Autos. "Hier ist gerade Chaos", sagte eine Polizeisprecherin. In einem Gewerbegebiet seien Dächer von Hallen gerissen worden. Bleche, Dämmung und andere Materialien seien kilometerweit geflogen. Nach ntv-Informationen handelte es sich mindestens um einen Tornado der Stufe F2 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h.

Fensterscheiben platzten und Autos wurden durch herabfallende Äste zerstört. Teils seien die Bäume schon am Stamm umgeknickt, berichtete die Gemeinde Altenbeken bei Paderborn - wie von der Hand eines Riesen getroffen. Wegen Ästen und Bäumen auf den Gleisen musste die Bahnstrecke zwischen Paderborn und Altenbeken gesperrt werden. Betroffen seien der Regional- und Fernverkehr, Züge würden umgeleitet, sagte ein Bahnsprecher. Laut RTL-Meteorologen Christian Häckl handelte es sich mindestens um einen Tornado der Stufe F2 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h.

Lippstadt neben Paderborn am stärksten getroffen

Auch im etwa 35 Kilometer entfernten Lippstadt hatte am Nachmittag ein mutmaßlicher Tornado massive Schäden verursacht. Betroffen sei das gesamte Stadtgebiet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zahlreiche Dächer seien abgedeckt worden und Bäume auf Autos gestürzt. Es habe aber weder Tote noch - nach bisherigen Meldungen - Verletzte gegeben. Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Später seien die Eingeschlossenen befreit worden, berichtete die Feuerwehr. Verletzte oder gar Tote wurden aus Lippstadt bislang nicht gemeldet. Hilfsorganisationen sowie Drohnen seien in Lippstadt im Einsatz, teilte der Kreis Soest mit. Es gebe noch "unzählige" offene Einsatzstellen im Stadtgebiet.

Im Ortsteil Hellinghausen sei durch den Sturm die Spitze einer Kirche heruntergestürzt. Die Tatsache, dass der Sturm hier Mauerwerk eingerissen habe, deutet laut RTL-Meteorologe Christian Häckl sogar auf einen Tornado der Kategorie F3 hin, was Windgeschwindigkeiten von bis zu 330 km/h bedeuten würde. Die Lippstadter Feuerwehr werde dabei von Kräften mehrerer Nachbarorte unterstützt. Der Einsatzstab im Soester Rettungszentrum ziehe Kräfte aus der Region in Lippstadt zusammen, hieß es in einer Mitteilung. Es gehe zunächst darum, einen Überblick über die Schäden zu bekommen. Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums sagte, neben Paderborn und Lippstadt seien keine weiteren Orte bekannt, die es ähnlich getroffen habe.

In Rheinland-Pfalz kam ein Mann ums Leben, als er bei Koblenz einen Stromschlag in einem vollgelaufenen Keller erlitt. Der 38-jährige Mann sei nach dem Stromschlag hingefallen und dabei vermutlich mit dem Kopf aufgeschlagen. Wiederbelebungsversuche blieben laut Polizei erfolglos. In Andernach und Neuwied kam es laut Polizei zu "extremem" Hagel mit Hagelkörnern mit einem Durchmesser von rund fünf Zentimetern. Mehrere dutzend Autos seien erheblich beschädigt worden. Teilweise seien während der Fahrt Scheiben zertrümmert worden, teilte die Polizei weiter mit. Wegen umgefallener Bäume waren in der Region Koblenz mehrere Straßen über Stunden gesperrt. Mehrere Autos blieben zudem in überschwemmten Unterführungen liegen.

Unwetter soll in die Mitte Deutschlands ziehen

Beim Einsturz einer Holzhütte in Mittelfranken wurden 14 Menschen verletzt, darunter mehrere Kinder. Eine 37 Jahre alte Frau sei mit schwersten Verletzungen in eine Klinik geflogen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Auch eines der Kinder sei per Hubschrauber in ein Krankenhaus gekommen. Das Unglück ereignete sich am Abend in Spalt (Landkreis Roth) nahe dem Großen Brombachsee.

Der Polizeisprecherin zufolge hatten angesichts des in Bayern aufziehenden Unwetters offenbar mehrere Urlauber in der rund 105 Quadratmeter großen Hütte Schutz gesucht. Aus ungeklärter Ursache sei diese dann zur Seite gekippt und zusammengefallen. Ersthelfer hätten noch vor Eintreffen der Rettungskräfte sämtliche Personen aus den Trümmern geborgen. Der Kriminaldauerdienst sicherte den Angaben nach Spuren und übernahm die Ermittlungen zur Unglücksursache. Die Staatsanwaltschaft ordnete zudem an, dass ein Sachverständiger hinzugezogen wird.

Wegen zahlreicher Bäume im Gleis gab es im Raum Nürnberg am Abend erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr. Das teilte die DB Regio Bayern per Twitter mit. Der S-Bahn Verkehr auf den Strecken Neustadt-Aisch-Steinach sowie Bad Windsbach-Wicklesgreuth müsse komplett eingestellt werden. Nach hochsommerlichen Tagen in Bayern hatte der Deutsche Wetterdienst für Freitag kräftiges Unwetter prognostiziert. In Franken gab es teils heftige Gewitter.

Meteorologen zufolge sollen sich die Gewitter auf die Mitte Deutschlands ausdehnen. Dabei seien "lokal extrem heftiger Starkregen um 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, großer Hagel bis fünf Zentimeter und schwere Sturm- bis Orkanböen mit Geschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern" zu erwarten, hieß es im DWD-Warnlagebericht. "Vereinzelte Tornados nicht ausgeschlossen."

Die Deutsche Bahn erwartete im Westen, der Mitte und im Osten Deutschlands Unwetter-Auswirkungen auf den Schienenverkehr. Fahrgäste, die ihre für Freitag geplante Reise verschieben wollten, könnten ihre gebuchten Fernverkehrstickets bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende flexibel nutzen. Sitzplatzreservierungen könnten kostenfrei umgetauscht werden, hieß es auf der Website der Bahn.

Ausfälle bei der Bahn

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen entfallen mehrere Halte, wie der Konzern am Abend mitteilte. Demnach werden etwa auf der Strecke Köln - Wuppertal - Dortmund/Hamm die ICE- und IC-Züge zwischen Köln und Dortmund über Düsseldorf umgeleitet. "Die Halte Solingen, Wuppertal und Hagen entfallen", hieß es. Empfohlen wird der Umstieg auf Regionalzüge.

Auf der Fernverkehrsstrecke zwischen Köln/Düsseldorf und Berlin verkehren derzeit aufgrund eines Notarzteinsatzes keine ICE zwischen Bielefeld und Hannover. Ob der Einsatz mit dem Unwetter zusammenhängt, wurde zunächst nicht bekannt. Die Züge warten laut Bahn derzeit die Dauer es Einsatzes in benachbarten Bahnhöfen ab. Intercity-Züge fahren darüber hinaus derzeit nicht zwischen Hamm und Kassel-Wilhelmshöhe. "Ein Busverkehr ist in Planung", teilte die Bahn weiter mit.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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