Panorama

Hochwasser in NRW und Bayern Sturmtief "Bernd" zieht über Deutschland

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In Bayern hatte Starkregen für vollgelaufene Keller gesorgt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Unwettertief "Bernd" sorgt für eine unruhige Woche in Deutschland. Im Osten werden Gewitter und Starkregen erwartet. Im Westen und Südwesten sind bereits Starkregengebiete unterwegs - dort könnten innerhalb von 48 Stunden bis zu fast 200 Liter Regen fallen.

In vielen Regionen Deutschlands drohen in den nächsten Tagen Unwetter mit Starkregen. Besonders betroffen sind laut wetter.de "bis Freitag Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden-Württemberg". Wegen Starkregens sei dort mit der Überflutung von Kellern und Straßen, mit Hochwasser in Bächen und Flüssen, mit Erdrutschen und örtlich auch mit Blitzschäden zu rechnen, hieß es vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

"Tiefdruckgebiete in Verbindung mit warmer und sehr feuchter Luft - das bedeutet im Sommer oft nichts Gutes", erläuterte DWD-Meteorologe Felix Dietzsch. "Eine solche Wetterlage führt in der Regel zu anhaltenden und kräftigen Niederschlägen, die früher oder später das eine oder andere Fass zum Überlaufen bringen. So verhält es sich auch heute und in den kommenden Tagen", erklärte er.

Über Deutschland liegt derzeit Tief "Bernd", das sich im Laufe des Dienstags vor allem über der östlichen Hälfte Deutschlands verstärken soll. Vom Nachmittag an entwickelten sich dann vor allem über Bayern und Thüringen schwere Gewitter. "Heute Nachmittag bilden sich von der Mitte bis nach Bayern teils kräftige Gewitter mit Gefahr von Starkregen, Hagel und Sturmböen", hieß es bei wetter.de.

Starkregen im Westen

Im äußeren Westen und Südwesten seien bereits seit Montagabend Starkregengebiete unterwegs. Mit der Verlagerung von "Bernd" zögen weitere Starkregengebiete vor allem in Richtung Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz und sorgten dort bis in den Donnerstag hinein für anhaltend hohe Niederschlagsmengen. "Richtig spannend wird es am Mittwoch im Westen Deutschlands", so wetter.de. "Denn dann zieht die schwülwarme Gewitterluft mit extrem hoher Feuchtigkeit zusammen mit einem Tief aus Osten nach NRW und Rheinland-Pfalz, um sich hier in stundenlangem gewittrigen Platzregen zu entladen". Dort werden 60 bis 100 Liter pro Quadratmeter erwartet. Die höchsten Mengen sollen im Umfeld der Eifel, im Grenzgebiet zu Belgien und auch im Schwarzwald fallen. "Selbst für Köln rechnet der Computer mit 130 bis 150 Liter bis Freitag früh."

Allzu große Hoffnung auf Besserung machte DWD-Meteorologe Dietzsch nicht: "Kräftiger Regen und Gewitter werden uns wohl noch bis mindestens Freitag begleiten. Erst zum Wochenende zeichnet sich von Nordwesten her eine zunehmende Wetterberuhigung ab. Dann wird es verbreitet freundlich bei angenehmen Sommertemperaturen um 25 bis 28 Grad."

Hochwasser in NRW und Bayern

Am Rhein in Köln haben kräftige Regenfälle den Wasserstand bereits deutlich steigen lassen. Im Stadtteil Deutz schwappte das Wasser auf die Uferpromenade. Der Pegelstand lag in Köln am Dienstagmittag bei 5,39 Metern - mit langsam steigender Tendenz, wie die Stadtentwässerungsbetriebe mitteilten. Von der sogenannten Hochwassermarke I (6,20 Meter) lag der Wasserstand damit aber noch ein Stück entfernt. Ab dieser Marke gelten erste Einschränkungen für den Schiffsverkehr. Die automatisch erstellte Zehn-Tages-Vorhersage der Wasserstraßenverwaltung des Bundes (WSV) rechnete mit der Überschreitung der Hochwassermarke I am Donnerstag oder Freitag.

In Bayern lief das Hochwasser in Westmittelfranken und Nordschwaben zunächst ab, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg berichtete. Die Pegel an den westlichen Zuflüssen zur Rednitz und Regnitz, im Oberlauf der Altmühl und an der Wörnitz gingen langsam zurück, hieß es. Allerdings könne lokaler Starkregen wieder zu einem gefährlichen Anstieg führen, vor allem im Osten Bayerns. In der vergangenen Woche war vor allem Mittelfranken von Hochwasser betroffen gewesen. Starkregen hatte für vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und vereinzelte Stromausfälle gesorgt.

Waldbesitzern hingegen kommt der Regen gelegen, wie es von deren Vertretung in Baden-Württemberg hieß: "Der Wald kann im Moment jeden Tropfen Regenwasser gebrauchen", sagte der dortige Forstkammer-Geschäftsführer Jerg Hilt. "Wir sind heilfroh, dass wir nicht das vierte Trockenjahr in Folge haben." Nach dem jüngsten Waldzustandsbericht des Agrarministeriums Baden-Württemberg gelten 46 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt. Schäden sind laut dem Bericht, der sich auf stichprobenartige Untersuchungen des Nadel- und Blatt-Behangs stützt, auf die Folgen von Dürre und Hitze zurückzuführen. Auch nach Angaben der Forstkammer wirkt das extreme Trockenjahr 2018 noch nach, weil es 2019 und 2020 zu wenig Niederschläge gab. "Der Wald hat ein langes Gedächtnis", so Hilt.

Quelle: ntv.de, cls/dpa

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