Panorama

Dammbruch in Brasilien TÜV-Mitarbeiter wegen Mordes angeklagt

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Der Damm an der Mine Córrego do Feijão war am 25. Januar 2019 gebrochen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mindestens 259 Menschen kommen bei dem Dammbruch einer Eisenerzmine in Brasilien vor einem Jahr ums Leben. Obwohl die Mitarbeiter des Tüv Süd vom maroden Zustand des Damms gewusst haben sollen, befanden sie ihn für sicher. Jetzt erhebt die brasilianische Justiz Anklage.

Die brasilianische Justiz hat im Fall des Dammbruchs in Brumadinho die Klage gegen den brasilianischen Bergbaukonzern Vale, die Tochterfirma des deutschen Prüfunternehmens Tüv Süd und 16 Mitarbeiter der beiden Firmen angenommen. Die Mitarbeiter müssen sich brasilianischen Medienberichten zufolge vor Gericht wegen Mordes verantworten, die beiden Unternehmen zudem wegen Verbrechen gegen die Flora und Fauna sowie wegen Umweltverschmutzung.

Kurz vor dem Jahrestag des Dammbruchs in Brumadinho am 25. Januar 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Den Ermittlungen zufolge hatten die Angeklagten versucht, die wahre Situation des Damms zu verbergen. Aus Sicht der Ermittler wussten sie um dessen Instabilität.

Laut "Süddeutscher Zeitung" hat der Tüv Süd wegen der Aussicht auf gute Geschäfte mit dem Bergbaukonzern Vale seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt. Im Laufe des Jahres 2018 soll laut brasilianischer Staatsanwaltschaft zwischen Vale und dem Tüv Süd ein "kriminelles Verhältnis" entstanden sein. Wer sich als Gutachter widersetzt habe, Staudämme zu zertifizieren, sei von künftigen Aufträgen ausgeschlossen worden. Wer hingegen die Anlagen zertifiziert habe, sei durch neue Aufträge belohnt worden.

Der Damm an der Mine Córrego do Feijão war am 25. Januar 2019 gebrochen. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais hinweg und begrub Menschen, Häuser und Tiere unter sich. Mindestens 259 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Die Tüv Süd AG hat rund 24.000 Mitarbeiter an weltweit 800 Standorten. Tüv steht für "Technischer Überprüfungsverein" - tatsächlich handelt es sich aber um ein Unternehmen. In Deutschland hat der Tüv einen halboffiziellen Status, weil er im Auftrag des Staates die Hauptuntersuchung bei Autos durchführen darf. Sitz des Unternehmens ist München.

Quelle: ntv.de, can/dpa