Panorama

Polizeiversagen - 15-Jährige totTausende Rumänen gehen auf die Straße

28.07.2019, 03:30 Uhr
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Die Vorwürfe richten sich nicht nur gegen die Polizei, sondern auch gegen die rumänische Regierung. (Foto: imago images / ZUMA Press)

Eine 15-jährige wird in Rumänien beim Trampen entführt. Nach Stunden in der Gewalt des Kidnappers kann sie drei Notrufe absetzen. Doch die Polizei sieht keinen Grund zur Eile. Als sie endlich anrückt, ist die Jugendliche tot. Jetzt stehen Polizei und Regierung unter Beschuss.

In Rumänien hat die Ermordung einer 15-Jährigen für Entsetzen und massive Kritik an Polizei und Regierung gesorgt. Mehrere tausend Menschen gingen in der Hauptstadt Bukarest auf die Straße und warfen den Ermittlern in Sprechchören "Inkompetenz" vor. Zudem forderten die Demonstranten den Rücktritt der Regierung. Im Gedenken an die ermordete Jugendliche legten viele Menschen Blumen vor dem Innenministerium nieder und zündeten Kerzen an.

Die 15-jährige Alexandra war am Mittwoch verschwunden, als sie versuchte, per Anhalter in ihren Heimatort Dobrosloveni im Süden des Landes zu gelangen. Am Donnerstag konnte sie drei Mal den Notruf wählen und der Polizei Hinweise zu dem Ort geben, an den ein Autofahrer sie mitgenommen hatte. "Er kommt, er kommt", sagte sie nach Angaben des inzwischen entlassenen Polizeichefs von Rumänien, Ioan Buda, bevor ein Telefonat mit ihr abriss.

Erst mehr als zwölf Stunden nach ihren Notrufen stieß die Polizei nach der Durchsuchung mehrerer Häuser auf das Gebäude, in dem die 15-Jährige festgehalten wurde. Obwohl in Notfällen wie diesem kein Durchsuchungsbefehl nötig ist, beantragten die Ermittler einen solchen - und warteten dann noch einmal bis zur Morgendämmerung, um das Haus zu durchsuchen. Bis dahin waren bereits 19 Stunden seit dem letzten Anruf von Alexandra vergangen.

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Regierungschefin Viorica Dancila soll für Aufklärung sorgen. (Foto: picture alliance/dpa)

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Samstag wurde ein 65-jähriger Verdächtiger festgenommen. Ermittler hatten bei der Durchsuchung seines Hauses und des Gartens menschliche Überreste und Schmuck von Alexandra gefunden. Der Verdächtige beteuerte, die Jugendliche niemals getroffen zu haben und unschuldig zu sein. Seinen Anwälten zufolge konnte er jedoch nicht erklären, warum Alexandra sein Telefon benutzt hatte.

Weiterer Teenager ermordet?

Am Freitagabend feuerte Innenminister Nicolae Moga Polizeichef Buda. Es seien "drastische Maßnahmen" in dem Fall nötig, sagte er. Das konnte aber nicht verhindern, dass die Debatte um die von der EU scharf kritisierte Justizreform des Landes nun wieder hochkocht. Die Demonstranten in Bukarest warfen den regierenden Sozialdemokraten am Samstag vor, mit umstrittenen Änderungen das Strafrechtssystem zu schwächen.

"Warum ist die Polizei nicht früher eingeschritten?", fragte der Demonstrant Cristian Nan. Dies müssten "alle" beantworten - von Polizei über Staatsanwaltschaft bis hin zur Regierungschefin Viorica Dancila. Präsident Klaus Iohannis hatte zuvor gesagt, es sei "zwingend" nötig, dass all jene ihren Rücktritt erklärten, die mit dem Fall Alexandra falsch umgegangen seien.

Die Polizei glaubt inzwischen, dass ein vor drei Monaten verschwundener Teenager ebenfalls von Alexandras Mörder getötet worden sein könnte.

Quelle: ino/AFP

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