Panorama

Krasse Zustände in Paketbranche"Team Wallraff" recherchiert undercover bei DPD

06.05.2026, 18:46 Uhr
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Die Reporter erleben als Paketboten die langen Arbeitszeiten und den hohen Druck unmittelbar. (Foto: RTL)

Undercover-Recherchen der Investigativreporter von "Team Wallraff" belasten den Paketdienstleister DPD schwer: Es gibt Hinweise auf Schwarzgeld, unbezahlte Überstunden und Sicherheitsmängel. Fahrer berichten von extremem Druck und prekären Unterkünften.

Seit Jahren steht die Paketbranche wegen ihrer Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die Rede ist von Arbeitszeiten deutlich über acht Stunden, hohem Zeitdruck, Stundenlöhnen unter dem Mindestlohn und mangelndem Arbeitsschutz. Das "Team Wallraff" hat dazu zahlreiche neue Hinweise erhalten - besonders oft zu DPD, einem der größten Paketdienste Deutschlands.

Monatelang recherchierten die Reporter daraufhin verdeckt im Zusammenhang mit DPD. Sie stießen auf enormen Arbeitsdruck, unbezahlte Überstunden, Angebote von Schwarzgeld und miserable Zustände in Unterkünften. Außerdem erhielten sie brisante Dokumente zur Arbeitssicherheit in teils baufälligen Depots. Die gesamte Recherche zeigt RTL heute ab 20.15 Uhr. Bereits jetzt ist die Folge auf RTL+ abrufbar, ebenso eine neue Folge des "Team Wallraff"-Podcasts.

DPD lässt Pakete vor allem über Beschäftigte von Subunternehmern zustellen. Dass dieses System dazu beiträgt, Fahrer an ihre Grenzen zu bringen und deren Ausbeutung zu begünstigen, erleben die Reporter bei ihren Undercover-Einsätzen. Ein Reporter findet in Berlin per Anzeige einen Job bei einem Subunternehmer, der bis zu 3000 Euro netto für eine 40-Stunden-Woche verspricht. Vor Ort erzählt ihm ein Kollege dann von seinem Minijob-Vertrag mit zusätzlicher Barzahlung - und auch dem Reporter wird dieses Modell vom Chef des Subunternehmens angeboten.

Auch in Essen schildert ein Kollege einem anderen RTL-Reporter die Möglichkeit, hier einen Teil des Lohns bar zu erhalten. Zudem berichtet ein Fahrer von pauschaler Tagesbezahlung, unabhängig von der Arbeitszeit. Bei ihren Einsätzen sind beide Reporter 10 bis 12 Stunden am Tag unterwegs, teils ohne Pausen.

"Marktstandard" und leere Versprechen

Die "Nachunternehmerhaftung" soll seit 2019 Paketdienste dafür mitverantwortlich machen, dass Sozialabgaben von beauftragten Subunternehmern korrekt gezahlt werden. Wie wenig das die Paketboten in der Praxis schützt, zeigen die Recherchen der Reporter. DPD beantwortete 67 Fragen und eine Interviewanfrage von RTL nur mit einem kurzen, allgemein gehaltenen Statement und teilte mit: "Sämtliche vertraglichen Partnerunternehmen von DPD müssen sich zur Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben, insbesondere zu Mindestlohn, zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit und zu fairen Arbeitsbedingungen verpflichten. Hierbei verwenden wir vorab ein verpflichtendes Qualifizierungsverfahren."

Man verstehe die kritische Diskussion um die Beschäftigung von Subunternehmern, doch das sei Marktstandard und nötig, um Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Und weiter: "Wir haben verbindliche […] Standards festgelegt, die […] ausdrücklich auch für Geschäftspartner und Subunternehmer gelten."

Immer wieder hören die Reporter zudem, dass Kosten für Schäden an Autos, zum Beispiel ein Rücklicht für 800 Euro, und verlorene Pakete an die Fahrer weitergeleitet würden. Viele Subunternehmer werben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerdem gezielt in Osteuropa an - oft mit dem Versprechen von Job und Unterkunft. Auch dazu erhielt das Team Hinweise auf Missstände, die sich bei dem Undercover-Einsatz eines Reporters in München bestätigen. Für circa 400 Euro im Monat bekommt er einen Platz in einem 16 Quadratmeter großen Dreibettzimmer mit zwei Fremden. Die Unterkunft hat nur eine dürftige Küche, eine Toilette ohne Schloss, Schimmel in der Dusche und Ungeziefer.

Eine Informantin spielt dem Team umfangreiche Dokumente zu, die auf deutliche Sicherheitslücken in DPD-Depots hindeuten. Darunter ist eine Karte aus dem Jahr 2024, die 89 Standorte zeigt. Wie sich aus der Dokumentation ergibt, stellten Prüfer damals offenbar bei etwa drei Vierteln der darauf abgebildeten Anlagen teils erhebliche Sicherheitsmängel und damit Unfallrisiken fest. Sicherheitsrisiken bemerkt auch ein Reporter bei seinem Probetag als Bewerber für einen Be- und Entladejob in einem dieser Lager in Erftstadt: An manchen Maschinen fehlten dort teilweise oder sogar komplett Schutzschienen.

Laut Informantin soll die DPD-Spitze Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen kennen, aber einen sehr harten Sparkurs fahren. DPD teilt dazu mit: "Unsere Anlagen werden regelmäßig kontrolliert, u.a. im Rahmen von UVV-Sicherheitsüberprüfungen, regelmäßigen Arbeitsschutz-Terminen und -begehungen, sowie Prüfungen der Berufsgenossenschaft oder der staatlichen Aufsichtsbehörden."

Quelle: ntv.de, sba

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