Panorama

Großbritanniens größter Raub Teil der Beute fehlt bis heute

Ein Coup wie aus einem Hollywood-Film: Vor fünf Jahren erbeutet eine Räuberbande umgerechnet etwa 78 Millionen Euro aus einem britischen Gelddepot. Der minutiös geplante Raub ist der größte der britischen Geschichte.

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Der Screenshot einer Überwachungskamera zeigt die maskierten Gangster während des Überfalls auf das Securitas-Gelddepot in Tonbridge, Kent, in Südengland am 22.02.2006.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Colin Dixon das Blaulicht eines Polizeiwagens hinter sich sieht, denkt er noch an ein Versehen. Er hält an, will den Beamten erklären, dass er gar nicht zu schnell gefahren ist. Ein Fehler - und der Auftakt zum größten Raub in der Geschichte Großbritanniens. Am 22. Februar 2006 erbeutet eine Gangsterbande 53 Millionen Pfund aus einem Gelddepot - umgerechnet 78 Millionen Euro. Fünf Jahre später sitzen die Strippenzieher in Haft. Die Beute ist immer noch nicht komplett gefunden.

Dixon ist 2006 der Direktor des Securitas-Gelddepots im südenglischen Tonbridge. Es ist eines der größten Depots in Europa. Nachdem er gestoppt hat, halten ihm die angeblichen Polizisten eine Waffe an den Kopf. Wenig später tauchen die vermeintlichen Beamten bei seiner Frau auf: "Ihr Mann hatte einen Unfall. Bitte kommen Sie mit ins Krankenhaus." Dixon, seine Frau und ihr achtjähriger Sohn erhalten eine deutliche Anweisung: "Wenn Ihr artig seid, überlebt Ihr das hier."

Die Entführer-Bande hat den Coup über acht Monate genau geplant: Dixon und das Depot werden beobachtet, Arbeitsabläufe protokolliert, ein Kumpan eingeschleust. Die Räuber engagieren eine Kosmetikerin, die ihnen Latex-Masken mit falschem Haar herstellt.

Gravierende Fehler

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Palettenweise schaffen die Räuber das Geld in einen Kleinlaster.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Am Tatabend läuft alles wie geplant: Aus Angst um seine Familie verschafft Dixon den Räubern Zugang zum Depot. Die Gangster sperren die Mitarbeiter ein, fahren das Geld palettenweise in einen Kleinlaster. Mehr als 153 Millionen Pfund müssen sie schließlich zurücklassen - kein Platz mehr im Transporter.

Nach der Tat scheint es zunächst, als seien die Gangster mit der Millionenbeute auf und davon. "Durch den Kanaltunnel nach Europa", hieß es in Zeitungen. Doch so genau der Coup im Vorfeld geplant war, so viele Fehler machen die Gangster nun: Das Fluchtauto mit Waffen wird gefunden, außerdem tauchen DNA-Spuren und schließlich sogar eine versehentliche Tonbandaufnahme von der Diskussion über das Aufteilen der Beute auf.

Alle Täter gefasst

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Fünf der sieben Täter: Jetmir Bucapa, Emir Hysenaj, Stuart Royle, Roger Coutts und Lea Rusha (v.l.).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein Täter nach dem anderen geht der Polizei ins Netz. Fünf Männer werden 2008 zu Haftstrafen zwischen 10 und 15 Jahren verurteilt. Doch zwei der Drahtzieher können sich kurz nach der Tat nach Marokko absetzen - darunter der angebliche Kopf der Bande, ein inzwischen 33 Jahre alter marokkanisch-britischer Profi-Kampfsportler.

In Afrika leisten sich die Ganoven ein ausschweifendes Leben - von Villen, Juwelen, Schönheits-Operationen und jeder Menge Drogen ist in den Zeitungen später die Rede. Ihr Lebensstil bringt schon bald die Polizei auf die Spur der Flüchtigen. In einem Einkaufszentrum werden sie verhaftet. Einer der Männer wird nach Großbritannien ausgeliefert und dort 2009 zu 18 Jahren Haft verurteilt. Den Kopf der Bande können die Behörden nicht ausliefern, weil er Halb-Marokkaner ist. Stattdessen wird er 2010 in Marokko angeklagt - und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

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Bruce Reynolds, einer der Drahtzieher des "Großen Postzug-Raues" vom 8. August 1963, wurde am 14. Januar 1969 zu 25 Jahren Haft verurteilt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit ihrem Coup stellen die Tonbridge-Räuber sogar den legendären Postzugraub von 1963 in den Schatten. Damals hatten Ronnie Biggs und Co. Geldsäcke im Wert von heute etwa 50 Millionen Euro erbeutet. Auch Hollywood soll am "Securitas-Robbery" schon Interesse gezeigt haben. Chef-Staatsanwalt Roger Coe-Salazar hält davon nichts: "Wenn man einen Fall wie diesen hat, dann ist es einfach, ihn wie den Film "Ocean's 12" zu romantisieren", sagte er während des Prozesses. "Aber es ist nichts Romantisches daran, ein Kind mit der Waffe zu bedrohen."

Quelle: ntv.de, Oliver Hollenstein, dpa

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