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Deutschland gehört zu Spitzenreitern Tiere bekommen weniger Antibiotika

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Masthähnchen bekommen zehnmal in 39 Tagen Antibiotika verabreicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Masthähnchen lebt im Schnitt 39 Tage, an 10 Tagen bekommt es Antibiotika verabreicht. Viel zu viel, sagen Kritiker. Immerhin ist der Gesamtverbrauch in der deutschen Massentierhaltung leicht zurückgegangen, wie neue Zahlen zeigen. Eine gute Nachricht ist das jedoch nur bedingt.

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In den großen Mastanlagen Niedersachsens werden besonders viele Antibiotika verabreicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf den ersten Blick sieht die Meldung nach einer guten Nachricht aus: Im vergangenen Jahr haben die deutschen Landwirte weniger Antibiotika an ihre Tiere verfüttert, als im Jahr davor. Statt 1706 Tonnen waren es noch 1619 Tonnen. Das entspricht aber immer noch etwa 40 Lkw-Ladungen voller Medikamente, die Kühen, Schweinen und vor allem Masthähnchen ins Futter gemischt werden. Das hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin mitgeteilt.

Europaweit gehöre Deutschland aber noch immer zu den Spitzenreitern, sagte ein Beamter des Landwirtschaftsministeriums am Rande einer Konferenz des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Der breite Antibiotika-Einsatz müsse deutlich eingeschränkt werden, forderte er. Neue Regelungen ab 2014 sollen dabei helfen.

Kritisch gesehen wird vor allem die Wirkstoffklasse der Fluorchinolone. Denn sie werden als Reserve-Antibiotika auch bei schwererkrankten Menschen verwendet. Und ihr Einsatz ist sogar gestiegen. 2012 wurde eine Zunahme um zwei auf zehn Tonnen registriert.

Schwerpunkte in Niedersachsen und NRW

Ein Großteil der Antibiotika wurde den amtlichen Angaben zufolge weiterhin an Tierärzte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen abgegeben. Allein in den Postleitzahlbereich 49, der Kreise beider Nachbarländer vereint, gingen mehr als 500 Tonnen. Dort gibt es viele große Tiermastanlagen.

Nach einer BfR-Studie werden Masthähnchen am häufigsten mit Antibiotika behandelt. In ihrem 39 Tage dauernden Leben bekommen sie an durchschnittlich zehn Tagen Antibiotika. Milchkühe bekamen die Medikamente innerhalb eines Jahres an 3,5 Tagen und Kälber an 1,2 Tagen. Bei Tieren in Gruppenhaltung werden laut BfR meist sowohl kranke als auch gesunde Tiere behandelt, um die Ausbreitung der Krankheit auf die gesunden Artgenossen zu verhindern.

Der massenhafte Antibiotika-Einsatz in der Tiermast wird seit längerem kritisiert. "Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu", sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Bakterien bilden Abwehrkräfte gegen die Medikamente aus und werden so unempfindlich. So werden sie auch für den Menschen zur Gefahr. Allerdings seien bislang nur sporadische Einzelfälle von Menschen, die beruflich mit Tieren oder vom Tier stammenden Lebensmitteln zu tun haben, bekannt. Verbraucher könnten sich schützen, indem sie bei der Verarbeitung von tierischen Lebensmitteln auf die Hygiene achten und Fleisch gut garen.

Niederlande lindert Problem

Im April tritt eine Novelle des Arzneimittelgesetzes in Kraft. Diese regelt unter anderem, dass jede Antibiotika-Anwendung von Landwirten in einer bundesweiten Datenbank erfasst wird. Bauern, die besonders häufig zu den Medikamenten greifen, sollen mit Auflagen dazu angehalten werden, den Einsatz zu minimieren, kündigte Kühnle an.

Mit einem hohen Einsatz von Antibiotika hatten auch die Niederlande lange zu kämpfen, wie Hetty van Beers-Schreurs von der Niederländischen Tiermedizin-Behörde berichtete. Intensive Gespräche von Tierärzten mit Landwirten hätten gute Erfolge gezeigt: Der Verbrauch sei in fünf Jahren um die Hälfte reduziert worden - ohne Sanktionen. In den Niederlanden setze man stattdessen auf Belohnungen: Vorbildliche Landwirte sollen künftig eine Prämie erhalten, sagte van Beers-Schreurs.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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