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Amoklauf von Winnenden Tim K.s Mutter haftet nicht

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Tim K. tötete 15 Menschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch sieben Jahre nach der Tat beschäftigt der Amoklauf von Winnenden noch die Gerichte. Hätten die Eltern des Täters die Bluttat ahnen, vielleicht sogar verhindern können? Für die Mutter verneint ein Gericht diese Frage.

Die Mutter des Amokläufers von Winnenden muss nicht für die Behandlungskosten von Opfern und Hinterbliebenen der Bluttat im März 2009 aufkommen. Die klagende Unfallkasse des Landes hat ihre Berufung gegen ein Urteil des Landgerichts Stuttgart vom August 2015 zurückgezogen, wie das Oberlandesgericht Stuttgart mitteilte.

Der 13. Zivilsenat hatte zuvor deutlich gemacht, dass die Mutter im Gegensatz zum Vater ihre Aufsichtspflicht über den 17-jährigen Amokläufer aus Sicht des Gerichts nicht verletzt hat. Sie habe keine Kenntnis davon gehabt, dass der Vater die Schusswaffe offen im Schlafzimmerschrank liegen hatte, hieß es. Und sie hätte dies auch nicht wissen müssen.

Mit der Waffe erschoss ihr Sohn beim Amoklauf an seiner ehemaligen Schule in Winnenden bei Stuttgart und auf seiner Flucht 15 Menschen und sich selbst. Der Amokläufer von München vor wenigen Tagen soll sich vor seiner Bluttat an den Tatorten in Winnenden informiert haben. Im Prozess sei zudem klar geworden, schrieb das Oberlandesgericht, dass 2009 keine erhöhte Aufsichtspflicht über den fast Volljährigen bestand. Auch nach ärztlicher Einschätzung habe nichts darauf hingedeutet, dass sein sozial auffälliges Verhalten in Aggression und Gewalt umschlagen könnte.

Mehr als eine halbe Million Euro

Der Vater war im August 2015 vom Landgericht Stuttgart verurteilt worden, der Unfallkasse Baden-Württemberg die Kosten für die Heilbehandlung von Schülern, Eltern und Lehrern ersetzen zu müssen. Die Schadenersatzklage gegen die Mutter hingegen scheiterte damals, die Berufung wurde nun aber mangels Aussicht auf Erfolg von der Unfallkasse zurückgezogen.

Das Verfahren gegen den Vater läuft weiter. Die Versicherung machte ursprünglich eine Forderung von knapp 717.000 Euro geltend. Der nächste Termin ist für den 18. November vorgesehen, hieß es beim Landgericht. Dann gehe es um die Höhe der Zahlungen. Es sei davon auszugehen, dass die Kammer versuchen wird, einen Vergleich auszuhandeln.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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