Panorama
Alfie Evans wurde nicht einmal zwei Jahre alt.
Alfie Evans wurde nicht einmal zwei Jahre alt.(Foto: dpa)
Samstag, 28. April 2018

Seit Montag ohne Beatmung: Todkranker Alfie Evans ist gestorben

Der kleine Alfie kommt mit einem degenerativen Hirnleiden zur Welt. Niemand weiß genau, wie lange er damit überleben kann. Seine Eltern kämpfen leidenschaftlich für eine Weiterbehandlung, doch nun stirbt der Junge.

Das sterbenskranke britische Kleinkind Alfie Evans, dessen Schicksal international Mitgefühl geweckt hatte, ist tot. Der 23 Monate alte Junge sei in den frühen Morgenstunden Im Alder Hey Kinderkrankenhaus von Liverpool gestorben, teilten seine Eltern mit. Das Beatmungsgerät des Jungen war am Montag abgeschaltet worden. Die Eltern hatten in einem monatelangen Rechtsstreit vergeblich eine Weiterbehandlung von Alfie gefordert.

Zuletzt hatten die Eltern für die Zusammenarbeit mit den Ärzten versöhnlichere Töne angeschlagen. Damit könnten "die Würde und Annehmlichkeiten" sichergestellt werden, die ihr Sohn brauche, teilten die Eltern am Donnerstagabend nach einem Gespräch mit den Medizinern in Liverpool mit. Der Vater des Kindes kündigte zudem an, künftig keine Interviews mehr zu geben. In der Todesnachricht schrieben Kate James und Thomas Evans: "Unserem kleinen Junge sind heute um 2.30 Uhr Flügel gewachsen. Wir sind untröstlich. Vielen Dank für Ihre Unterstützung."

Der Fall hatte mehrere Gerichte beschäftigt und fand wegen des öffentlichkeitswirksamen Engagements der Eltern weit über Großbritannien hinaus Beachtung. Wütende Demonstranten bedrohten zwischenzeitlich Mitarbeiter des Kinderkrankenhauses. Die Polizei musste das Gebäude sichern. Der Vatikan hatte sich außerdem dafür eingesetzt, dass der Junge zur Behandlung nach Italien kommen kann.

Kritik am NHS

Der deutsche Experte Nikolaus Haas hatte vor dem Tod des Jungen scharfe Kritik am Umgang mit dem Fall in Großbritannien geübt. In Deutschland wäre Alfie "selbstverständlich auf Wunsch der Eltern weiterbehandelt worden", sagte der Professor für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom Universitätsklinikum München der Deutschen Presse-Agentur.

Haas hatte im Auftrag eines britischen Gerichts ein Gutachten erstellt und eine Verlegung des Jungen in ein Krankenhaus in Deutschland, Italien oder nach Hause befürwortet. Der Professor vermutet hinter der harten Haltung der britischen Mediziner auch die Furcht vor Kosten für das nationale Gesundheitssystem NHS durch ähnliche Fälle - und Arroganz. In Großbritannien herrsche eine Kultur, in der Entscheidungen von Ärzten und dem Gesundheitssystem schwer infrage gestellt werden könnten. Eine Heilung des Jungen hielt aber auch Haas für ausgeschlossen.

Alfie hatte eine schwere neurologische Krankheit, die nicht klar diagnostiziert wurde. Fast sein ganzes Hirn war den Ärzten zufolge von dem seltenen degenerativen Hirnleiden geschädigt. Alfie konnte sich nicht bewegen, sprechen und hören. Seit Dezember 2016 war er im Krankenhaus.

Quelle: n-tv.de