Panorama
Sonntag, 23. August 2015

Tragisches Flugsport-Wochenende: Tote bei Flugshows in England und Schweiz

Zwei Flugshows in England und der Schweiz enden jeweils in einer Tragödie. Es ist nicht das erste Mal, dass es bei derartigen Events zu tödlichen Unfällen kommt. Wer oder was ist verantwortlich? Selbstüberschätzung oder doch technisches Versagen?

Beim Absturz eines historischen Militärjets bei einer Flugshow in England sind "sehr wahrscheinlich" elf Menschen ums Leben gekommen, 15 weitere wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei der Grafschaft West Sussex mitteilte. Das Flugzeug vom Typ Hawker Hunter stürzte während der Shoreham Airshow auf eine vielbefahrene Straße in der Nähe von Brighton und traf mehrere Fahrzeuge. Mehrere Krankenwagen und Rettungshubschrauber waren im Einsatz.

Der Pilot konnte das Flugzeug während eines Loopings nicht reichzeitig wieder hochziehen.
Der Pilot konnte das Flugzeug während eines Loopings nicht reichzeitig wieder hochziehen.

Dem lokalen Radiosender Splash FM zufolge stürzte das Flugzeug nur etwa 400 Meter entfernt von Familien ab, die sich die Flugshow anschauten. "Angesichts der vielen tausend Menschen, die die Airshow besucht haben, danken wir Gott, dass das Flugzeug keine größere Menschenmenge getroffen hat", sagte der lokale Parlamentsabgeordnete Tim Loughton.

Polizei und Behörden befürchten jedoch, dass noch mehr Menschen bei dem Unglück ums Leben gekommen sein könnten als bislang angenommen. Es sei möglich, dass aus den Trümmern an der Absturzstelle weitere Opfer geborgen würden, sagte eine Sprecherin.

Unglücksursache weiterhin unbekannt

"Das Flugzeug kam aus einem Looping, es flog ziemlich tief", sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur PA. "Es schien einfach nicht schnell genug zu sein, um aus dem Looping zu kommen." Beim Aufprall habe es "einen gewaltigen Feuerball und schrecklich viel Rauch" gegeben. Bereits kurz nach dem Absturz luden Augenzeugen Videos des Unglücks in sozialen Netzwerken hoch.

Die Straße A27 war nach dem Unglück komplett abgeriegelt, da Experten für Flugzeugabstürze versuchten, Ursache und Hergang des Unglücks zu rekonstruieren. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist dennoch weiterhin unklar. Bei dem Piloten soll es sich Berichten zufolge um einen erfahrenen ehemaligen Piloten der britischen Luftwaffe handeln. Er kämpfe weiterhin um sein Leben, sagte Jane Derrick von der Polizei Sussex.

Kampfjets vom Typ Hawker Hunter gehörten in den 50er und 60er Jahren zu den wichtigsten Flugzeugen der britischen Luftwaffe. Nach Angaben der Airshow sind sie bei Übungen auch heute noch im Einsatz.

Deutsche Fliegerstaffel stürzt in der Schweiz ab

Tragisches Aus auch für eine deutsche Sportflugstaffel: Bei einer Show in der Schweiz sind zwei von drei Ultraleichtflugzeugen der Formation Grasshoppers aus Baden-Württemberg kollidiert. Beide Maschinen stürzten nach dem Vorfall während eines Wendemanövers ab. Einer der Piloten kam laut Polizei ums Leben.

Absturzstelle in Dittingen südlich von Basel.
Absturzstelle in Dittingen südlich von Basel.(Foto: REUTERS)

Die Leichtflugzeuge vom Typ Ikarus C42 gingen über dem Flugplatz in Dittingen rund 30 Kilometer südlich von Basel in einen Kurvenflug über, als eine der Maschine die vorausfliegende am Heck streifte. Die beiden beteiligten Flugzeuge seien sofort in einen unkontrollierten Sturzflug übergegangen, berichteten Augenzeugen der "Basellandschaftlichen Zeitung" (BZ) und weiteren Schweizer Medien. Laut "Blick.ch" war der Zusammenprall so heftig, dass der Propeller der Maschine weggeflogen sei.

Diese Maschine raste laut Augenzeugen in eine Scheune mitten im Dorf Dittingen. Der 50-jährige Pilot starb durch den Aufprall noch an der Absturzstelle, berichteten Helfer. Trümmerteile bedeckten die Dorfstraße, einen Brand brachte die Feuerwehr rasch unter Kontrolle. "Es ist purer Zufall, dass das Flugzeug nicht in ein bewohntes Haus gecrasht ist", sagte eine Anwohnerin der Schweizer "BZ".

Automatisches Rettungssystem verhindert noch Schlimmeres

Bei dem anderen Leichtflugzeug löste sich laut Augenzeugen das automatische Rettungssystem aus. Diese Maschine kam mit dem Rettungsfallschirm am Heck im Garten eines Einfamilienhauses in der Umgebung des Flugplatzes runter - mit zerstörtem Fahrwerk und abgeknicktem Flügel, aber mit relativ intakter Führerkabine. Die Flugshow wurde unmittelbar nach dem Unglück abgebrochen.

Das dritte Flugzeug der deutschen Amateur-Staffel kreiste zunächst über der Unglücksstelle und landete dann sicher. Laut Facebook-Seite der Grasshoppers wurde die Dreierformation mit den zweisitzigen C42-Maschinen im August 2011 gegründet. Bei ihren jeweils etwa zehnminütigen Programmen führe die Staffel, die in Eschbach im Südwesten von Baden-Württemberg beheimatet ist, "die gesamte Bandbreite" der Ultraleicht-Fliegerei vor.

Die Grasshoppers gehörten zu den Programmhöhepunkten der Dittinger Flugtage. Bei den Vorstellungen malen die Ultraleicht-Flugzeuge Figuren an den Himmel. Dabei werden in den Maschinen Smoke-Anlagen eingesetzt, damit die Luftfiguren vom Boden aus besser zu sehen sind. Das Trio hatte bis zur Show in der Schweiz laut eigenen Angaben insgesamt bereits mehr als 50 Stunden im Formationsflug verbracht.

Quelle: n-tv.de