Panorama

Mehr Austritte als je zuvor Trauriger Rekord "erschüttert" katholische Kirche

Ein katholischer Bischof hält während einer Messe ein Kreuz in den Händen.

Katholischen Geistlichen laufen die Gläubigen weg.

(Foto: Peter Kneffel/dpa/Symbolbild)

Der katholischen Kirche in Deutschland laufen die Menschen in Scharen davon: Rund 360.000 Austritte verkündet die Deutsche Bischofskonferenz und zeigt sich "zutiefst erschüttert". Das mit Skandalen dauerbeschäftigte Bistum Köln verdoppelt sogar die Zahlen des Vorjahres.

Die katholische Kirche in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekord bei den Kirchenaustritten verzeichnet. 2021 traten fast 360.000 Menschen aus der Kirche aus und damit 86.567 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019, wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, zeigte sich von diesem sprunghaften Anstieg "zutiefst erschüttert".

Im vergangenen Jahr war der schon seit Jahren anhaltende Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland weiter eskaliert. Insbesondere sorgte die Aufarbeitung im Erzbistum Köln und das Verhalten des dortigen Kardinals Rainer Maria Woelki für massive Kritik. Im Erzbistum Köln gab es 40.772 Kirchenaustritte, gegenüber 17.281 Fällen im Vorjahr war dies mehr als eine Verdopplung. "Die Skandale, die wir innerkirchlich zu beklagen und in erheblichem Maße selbst zu verantworten haben, zeigen sich in der Austrittszahl als Spiegelbild. Dieses dürfen wir nicht verzerren, wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass die Kirchen wieder voller werden oder die Zahl der Gläubigen wieder steigt", sagte Bätzing.

Exakt 100.872 Gläubige traten in Bayern aus der katholischen Kirche aus. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bewertete die Statistik als "traurig und bitter, aber leider erwartbar". Franz Jung, der Bischof von Würzburg, fand deutlichere Worte: Er sei ebenso wie viele Katholikinnen und Katholiken verärgert und enttäuscht über "das problembeladene Bild, das wir als Kirche abgeben – in Deutschland, im Vatikan und in der Weltkirche", hieß es in einer Mitteilung seines Bistums. "Es darf niemanden verwundern, dass derzeit viele Menschen der Kirche das Vertrauen entziehen und auch unserem guten Tun die Zustimmung versagen."

Aus welchen Gründen Gläubige aus der Kirche austreten, müssen sie nicht angeben. Bätzing erklärte, "die Zahlen des Jahres 2021 zeigen die tiefgreifende Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden." Es würden mittlerweile nicht nur Menschen austreten, die schon über einen längeren Zeitraum keinen Kontakt mehr zur Kirche haben, sondern vermehrt auch bisher sehr engagierte Katholiken.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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