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"Ich kenne den Prinzen nicht" Trump leugnet Bekanntschaft mit Andrew

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Vielleicht hat Trump bei seinem Besuch in London im Juni nicht nach links geschaut.

(Foto: AP)

In einem BBC-Interview schildert eine Zeugin unter Tränen, wie Prinz Andrew sie missbraucht habe. Seitdem vergrößern sich die Fliehkräfte um den Royal noch einmal. US-Präsident Trump geht weitestmöglich auf Abstand und sagt: "Ich kenne Prinz Andrew nicht." Allerdings gibt es Fotos, die das widerlegen.

Der Druck auf den britischen Prinzen Andrew ist inzwischen gewaltig: Ein BBC-Interview mit der US-Amerikanerin Virginia Giuffre, die den Royal beschuldigt, sie als Minderjährige missbraucht zu haben, stieß auf ein starkes Echo. "Es hätte für Andrew nicht schlimmer kommen können", sagte die Royal-Expertin Penny Junor. Die junge Frau "klingt in diesem Interview sehr plausibel, während hingegen die meisten Ausreden von Andrew in seinem Interview .... lachhaft waren", sagte Junor, die mehrere Bücher über die Royals geschrieben hat.

Als US-Präsident Donald Trump anlässlich des Nato-Gipfels in London gefragt wurde, was er von den Vorgängen rund um Prinz Andrew halte, sagte er: "Ich kenne Prinz Andrew nicht." Trump, den mehrere historische Bilder neben dem Prinzen zeigen, fügte hinzu: "Aber das ist eine heftige Geschichte, es ist eine sehr heftige Geschichte. Ich weiß es nicht."

Giuffre schilderte in dem BBC-Interview, wie sie dreimal zum Sex mit dem Royal gezwungen wurde, zweimal davon als 17-Jährige. Die Übergriffe sollen in den Jahren 2001 und 2002 geschehen sein. Sie forderte die britische Öffentlichkeit auf, sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Das sei keine schmuddelige Geschichte über Sex, es gehe um Missbrauch, sagte sie unter Tränen.

Andrew beim Nato-Gipfel nicht dabei

Schon vorher war ein BBC-Interview für den Prinzen zum Fiasko geworden. In einem Gespräch, mit dem er eigentlich seinen Ruf hatte wiederherstellen wollen, redete er sich um Kopf und Kragen. Experten sprachen von einer "PR-Katastrophe". Der Druck auf Andrew wurde so groß, dass er schließlich seine Aufgaben als Royal ruhen ließ - zumindest so lange, bis die Vorwürfe geklärt sind. Daher wurde der 59-Jährige auch nicht beim Empfang für die Teilnehmer des Nato-Gipfels am Abend im Buckingham-Palast erwartet.

Momentan wirft in den USA keine Behörde Andrew offiziell Fehlverhalten vor. Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist fraglich. Der BBC zufolge muss Andrew bei Reisen in die USA künftig damit rechnen, zur Zeugenaussage vorgeladen zu werden. Schlüsselfigur in dem Skandal ist Jeffrey Epstein. Er hatte sich Anfang August in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen, nachdem er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht gebracht werden sollte. Der bestens vernetzte Geschäftsmann wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben.

Laut Anklageschrift hatte der Multimillionär zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring aufgebaut. Andrew war jahrelang mit Epstein befreundet und mehrfach in verschiedenen Anwesen des US-Amerikaners Übernachtungsgast. Auch nach einem ersten Gefängnisaufenthalt Epsteins hatte Andrew den Kontakt zu ihm nicht aufgegeben, was er inzwischen öffentlich bedauert hat. Angeblich will der Prinz nichts von den Machenschaften seines Freundes mitbekommen haben.

Monarchie-Gegner finden es "skandalös"

Mehrere mutmaßliche Missbrauchsopfer von Epstein widersprachen den Schilderungen des Prinzen bereits. Einige sind wütend, dass die Vorwürfe erst so spät ernst genommen werden. "Die Königin und Charles haben schon acht Jahre lang von diesen Anschuldigungen gewusst und nichts unternommen, bis es zu diesem PR-Desaster kam", sagte Graham Smith von der Organisation Republic, die sich für die Abschaffung der Monarchie einsetzt. Auch das Verhalten der Polizei in London in dem Fall nannte er "skandalös".

Scotland Yard wollte eine Anzeige Giuffres wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung gegen den US-Multimillionär Jeffrey Epstein und dessen langjährige Partnerin Ghislaine Maxwell nicht weiter verfolgen. Die mutmaßlichen Straftaten hätten sich größtenteils außerhalb Großbritanniens ereignet. Daher fehle die Zuständigkeit.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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