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Die tunesische Staatsanwaltschaft behauptet, das Pärchen sei bei der Festnahme nackt gewesen - die Verurteilten bestreiten das.
Die tunesische Staatsanwaltschaft behauptet, das Pärchen sei bei der Festnahme nackt gewesen - die Verurteilten bestreiten das.(Foto: imago/Medicimage)
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Gefängnisstrafe wegen "Unzucht": Tunesien verurteilt Pärchen wegen Kuss

Eine Umarmung und ein Kuss im Auto – für diese zärtlichen Gesten muss ein tunesisches Pärchen für mehrere Monate ins Gefängnis. Ein Gericht verurteilt die beiden wegen "Unzucht" und löst damit eine Debatte aus.

Die Verurteilung eines Pärchens in Tunesien wegen "öffentlicher Unzucht" löst heftige Kritik aus. Laut "Welt" hatten die Tunesierin und ihr französischer Freund sich nach einer Party in seinem Auto geküsst. Ein Gericht in Tunis verurteilte den Mann am Mittwoch zu vier Monaten Gefängnis, die Frau bekam eine zweimonatige Haftstrafe. Den beiden werde Verletzung der Sittlichkeit, Widersetzung gegen polizeiliche Anordnungen, Trunkenheit und Beamtenbeleidigung vorgeworfen, schrieb Anwalt Ghazi Mrabet in einer Stellungnahme im Internet.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft verteidigte die Entscheidung und betonte, das Pärchen sei nicht wie von Medien berichtet wegen eines Kusses festgenommen worden, sondern sei vollständig nackt gewesen. Die beiden Verurteilten bestreiten dies. Die Tunesierin sagte vor Gericht aus, ihr Freund habe sie lediglich in den Arm genommen.

Die Anwälte des Paares hatten Freispruch gefordert und auf viele Verfahrensfehler hingewiesen. So hatten Anhörungen in dem Fall auf Arabisch stattgefunden, obwohl der Franzose die Sprache nicht versteht. Der Fall löste in Tunesien eine Debatte über Moral-Kampagnen und Polizeiwillkür aus. Menschenrechtsaktivisten und junge Tunesier kritisierten das Urteil heftig und riefen für den Freitagabend zum "öffentlichen Knutschen" in der Hauptstadt auf.

Quelle: n-tv.de