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Keine Erinnerung an Tat US-Gericht stoppt Hinrichtung eines Mörders

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Vernon Madison - hier auf einer alten Aufnahme - ist blind, inkontinent und leidet an Sprachstörungen. Zudem kann er nicht mehr ohne Hilfe laufen.

(Foto: AP)

Der verurteilte Polizistenmörder Vernon Madison entgeht seiner Hinrichtung im US-Bundesstaat Alabama durch eine Gerichtsentscheidung. Grund: Der 67-Jährige ist schwer an Demenz erkrankt.

Das Oberste Gericht der USA hat die Hinrichtung eines wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilten dementen Mannes im letzten Augenblick ausgesetzt. Der 67-jährige Vernon Madison, der mit einer Giftspritze exekutiert werden sollte, war für schuldig befunden worden, 1985 in Mobile im US-Bundesstaat Alabama einen Polizisten getötet zu haben. Er sitzt seit mehr als 30 Jahren in der Todeszelle.

Richter Clarence Thomas erklärte, die Vollstreckung des Todesurteils sei "bis auf weiteres ausgesetzt". Nach Angaben von Madisons Anwälten erlitt ihr Mandat in den vergangenen zwei Jahren mehrere Schlaganfälle. Er sei blind, könne ohne Hilfe nicht gehen und leide an Sprachstörungen sowie Inkontinenz.

An den Grund seiner Verurteilung zum Tod könne er sich nicht mehr erinnern. Jemanden unter solchen Umständen hinzurichten, wäre nach Ansicht der Verteidiger eine ungewöhnlich grausame Strafe und als solche gemäß der US-Verfassung untersagt.

EU setzte sich für Madison ein

Im Prozess gegen Madison hatte die Jury seinerzeit lebenslange Haft empfohlen. Der Richter setzte sich jedoch darüber hinweg und verurteilte den Angeklagten zur Todesstrafe. Gemäß einem im vergangenen Jahr in Alabama verabschiedeten Gesetz haben Richter nicht mehr die alleinige Vollmacht über die Entscheidung zu einem Todesurteil.

Die Europäische Union hatte sich am Mittwoch in einem Appell für Madison eingesetzt. Zur Begründung hieß es, jemanden in dieser geistigen Verfassung hinzurichten wäre ein Verstoß gegen die Menschenrechte.

Quelle: n-tv.de, jog/AFP

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