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Anwalt, Assistentin, PilotUS-Regierung: Das war der engste Kreis um Jeffrey Epstein

11.03.2026, 15:58 Uhr Aljoscha-PrangeVon Aljoscha Prange
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Eine Grafik des US-Justizministeriums zeigt Epsteins Kreis von Mitarbeitenden und Vertrauten.

Jeffrey Epstein umgab sich gern mit berühmten und einflussreichen Persönlichkeiten. Sein engster persönlicher Kreis war hingegen klein, anonym und eingeschworen. FBI- und Regierungsakten deuten an, wie sie das Missbrauchsnetzwerk aufrechterhielten.

Donald Trump, Elon Musk, Bill Gates: Wie die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten belegen, verkehrte Jeffrey Epstein gern in einflussreichen Kreisen und unterhielt Verbindungen zu einer Vielzahl berühmter und mächtiger Persönlichkeiten. Anders als sein soziales und berufliches Umfeld war sein engster persönlicher Kreis aber eher klein und anonym. Das geht aus einem CNN-Bericht hervor.

Epsteins Assistentin, sein Anwalt, Buchhalter, Pilot und persönlicher Model-Scout sowie seine enge Vertraute und Komplizin Ghislaine Maxwell arbeiteten demnach in enger Abstimmung hinter den Kulissen. Sie organisierten seinen Terminkalender, verwalteten seine Geschäfte, seine Immobilien und Anwesen auf der ganzen Welt - und sein Geld.

Aus den freigegebenen Dokumenten gehen außerdem Erkenntnisse darüber hervor, wie sie Epstein halfen, seinen Platz in den oberen Gesellschaftskreisen zu behaupten. Auch dann noch, nachdem er 2008 wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt und als Sexualstraftäter registriert worden war.

Lesley Groff - Epsteins Assistentin

Eine Grafik der US-Regierung zeichnet ein Bild von Epsteins nächstem Umfeld und den Personen darin. Demnach spielte seine Assistentin Lesley Groff offenbar eine zentrale Rolle in dessen Netzwerk.

Mehrere Opfer sagten gegenüber dem FBI aus, Groff sei die erste Anlaufstelle für sie gewesen, um Massagetermine mit Epstein zu vereinbaren. Viele von ihnen gaben in den Gesprächen zudem an, dass sie während dieser Massagen sexuelle Übergriffe erlebten. Wie aus dem Protokoll einer FBI-Zeugenbefragung hervorgeht, sagte eines der Opfer aus, erst 14 Jahre alt gewesen zu sein, als sie Epstein das erste Mal traf. Auch sie habe zunächst Kontakt zu Groff gehabt.

Auch in einem weiteren FBI-Memo aus dem Jahr 2021 wird Groff von einem Opfer erwähnt. Die Frau sagte den Ermittlern, Epsteins Assistentin habe offensichtlich gewusst, was bei diesen Massagen vor sich ging. Sie sagte außerdem, dass sie sich im Alter von 17 oder 18 Jahren an Groff gewandt habe, weil sie Geld für eine Abtreibung brauchte. Sie sei daraufhin sofort mit Epstein verbunden worden. Dieser habe ihr anschließend einen Umschlag mit 1000 US-Dollar in bar zukommen lassen.

In einer 2021 eingereichten, später aber fallengelassenen Klage behauptete eine anonyme mutmaßliche Geschädigte, Groff sei unmittelbar an Epsteins Frauenhandel beteiligt gewesen. Doch sowohl sie als auch Groff stimmten später der Rücknahme der Klage zu. Zwei weitere mutmaßliche Opfer reichten eine Zivilklage gegen Groff ein, das Verfahren wurde aber eingestellt, nachdem sie im Rahmen eines Entschädigungsfonds Geld aus Epsteins Nachlass erhalten hatten.

Groffs Anwälte gaben Ende 2021 bekannt, dass sie nie etwas Unangemessenes oder Illegales beobachtet habe und weiterhin "zutiefst betroffen" über das Leid aller Opfer sei.

Buchhalter Kahn und "die Mädchen"

Richard Kahn begann 2005 als Buchhalter für Epstein zu arbeiten. Doch seine Rolle erweiterte sich laut CNN schnell zum faktischen Verwalter von dessen umfangreichem Vermögen. Demnach koordinierte Kahn offenbar auch Geldtransfers, unterzeichnete Schecks, erledigte Steuerangelegenheiten und verteilte Gelder in Epsteins Namen.

Aus den Dokumenten des US-Justizministeriums geht hervor, dass Kahn und Epstein häufig über verschiedene Einkäufe für eine Gruppe kommunizierten, die sie als "die Mädchen" bezeichneten. Es ist dabei unklar, ob "die Mädchen" immer aus denselben Personen bestanden und wer genau diese Personen waren.

Kahn kaufte Eintrittskarten für die US Open, Lottoscheine und American-Express-Geschenkkarten, die alle für "die Mädchen" bestimmt waren. Er organisierte für die Gruppe auch andere Dinge, darunter den Reinigungsservice für "die Wohnungen der Mädchen" und deren Kabelfernsehen-Abos.

Es ist unklar, was genau Kahn mit den "Wohnungen der Mädchen" meinte. Es ist allerdings bekannt, dass Epstein Wohnungen in einem Haus in New Yorks Upper East Side besaß. Einige seiner Opfer berichteten, dort übernachtet zu haben.

Kahns Anwalt Dan Ruzumna sagte gegenüber CNN, sein Mandant habe "keinen der Übergriffe Epsteins miterlebt, und kein Opfer (oder sonst jemand) hat ihm jemals von einem Missbrauch durch Epstein berichtet." Die jüngst veröffentlichten Akten würden zeigen, dass das US-Justizministerium "Herrn Kahn nie als einen von Epsteins Komplizen betrachtet hat".

Jean Luc Brunel - Epsteins Model-Scout

Laut Aussagen von Ghislaine Maxwell haben sich Epstein und der französische Model-Scout Jean Luc Brunel Anfang der 1990er Jahre kennengelernt. Um das Jahr 2005 herum soll Epstein Brunel etwa eine Million US-Dollar gegeben haben, um seine eigene Modelagentur MC2 Modeling in Miami zu gründen.

FBI-Anhörungen ehemaliger Epstein-Angestellter lassen vermuten, dass Brunel Epstein mit Mädchen bekannt machte und bei der Beschaffung von Arbeitsvisa für die Models half, die häufig aus osteuropäischen Ländern stammten. In einer von den Strafverfolgungsbehörden sichergestellten handschriftlichen Notiz vom September 2005 ließ der Model-Scout Epstein ausrichten, er habe für ihn eine "2x8 Jahre alte" russische Sprachlehrerin gefunden, "nicht blond".

Nachdem sich das Verhältnis zwischen den beiden etwa ab 2015 zu verschlechtern begann, wurde Brunel im Dezember 2020 am Pariser Flughafen Charles de Gaulle wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung, unter anderem von Minderjährigen, festgenommen. Während er auf seinen Prozess wartete, starb Brunel 2022 in einem Pariser Gefängnis. Ein Gerichtsmediziner stufte seinen Tod als Suizid ein.

Ghislaine Maxwell - Ex-Freundin und Komplizin

Laut den Aussagen mehrerer Betroffener spielte seine frühere Partnerin Ghislaine Maxwell eine entscheidende Rolle bei der Rekrutierung von Opfern für Epstein. Sie soll die Mädchen und Frauen nicht nur angeworben, sondern sich in einigen Fällen auch an den übergriffigen Massagen und an sexuellem Missbrauch aktiv beteiligt haben. Nachdem Epstein 2008 zum ersten Mal verurteilt worden war, distanzierte sich Maxwell öffentlich von Epstein. Laut den Dokumenten korrespondierten die beiden jedoch weiterhin miteinander.

Maxwell wurde im Juli 2020 verhaftet, unter dem Verdacht, als Komplizin Epsteins agiert zu haben. Während des Prozesses erklärte ein Opfer in einer Aussage, sie halte Maxwell für eine "Psychopathin". Darüber hinaus warf sie ihr den Missbrauch an ihr selbst "und vielen anderen Kindern und jungen Frauen" vor.

Im Dezember 2021 folgte dann der Schuldspruch in mehreren Anklagepunkten, unter anderem Menschenhandel mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken. Maxwell wurde zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt. Im Februar 2026 verweigerte sie eine Aussage im US-Repräsentantenhaus. Ihr Anwalt stellte eine Aussage erst im Falle einer Begnadigung in Aussicht.

Aussagen stehen noch aus

Die Namen der Personen aus Epsteins engstem Kreis tauchen in den Akten tausendfach auf. Darunter auch Epstein-Anwalt Darren Indyke und sein Pilot Larry Visoski, der versteckte Kameras in einem von Epsteins Anwesen installiert haben soll.

Bisher wurden sie zwar noch nicht so genau unter die Lupe genommen wie bekanntere Persönlichkeiten. Doch das könnte sich bald ändern. In den kommenden Monaten sollen mehrere von ihnen vor einem Aufsichtsausschuss aussagen.

Richard Kahn und Darren Indyke, die beide als Testamentsvollstrecker von Epsteins Nachlass fungieren, sollen am 11. und 19. März aussagen. Lesley Groff wurde vom Ausschuss aufgefordert, am 9. Juni zu erscheinen.

Quelle: ntv.de

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