Panorama

Millionen Dosen laufen ab USA in Not wegen Haltbarkeit von J&J-Vakzin

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Etwas mehr als die Hälfte der ausgelieferten 21,4 Millionen J&J-Dosen wurden bislang verabreicht.

(Foto: imago images/MiS)

Die USA produzieren und verabreichen Impfstoffe im Eiltempo, 42 Prozent der Bevölkerung sind bereits voll geschützt. Nun droht das Land jedoch auf Millionen Dosen des J&J-Impfstoffs sitzen zu bleiben, weil die Haltbarkeit des Mittels abläuft.

Die Vollgas-Impfkampagne in den USA könnte Ende Juni einen herben Dämpfer erleiden. Krankenhäuser, staatliche Gesundheitsämter und die US-Regierung selbst hadern mit der Entscheidung, wie Millionen von Johnson & Johnsons Covid-19-Impfstoffdosen, die diesen Monat auslaufen, noch aufgebraucht werden könnten. Das berichten "Wall Street Journal" und "New York Times". Es gebe demnach wenige praktische Lösungen, um sie in den USA schnell zu verabreichen oder rechtzeitig ins Ausland zu verteilen.

Der millionenfache Vorrat ist teilweise eine unbeabsichtigte Folge einer Entscheidung aus dem April, die Verabreichung von J&J-Dosen in den USA vorübergehend auszusetzen, um ein seltenes Blutgerinnselrisiko zu beurteilen. Die Pause zwang Bundesstaaten und Anbieter dazu, eine Vielzahl an Impfterminen abzusagen, die nie neu angesetzt wurden - dadurch kam es zu einem Angebotsüberschuss. Zudem herrsche in der Bevölkerung weiter eine gewisse Skepsis dem Impfstoff gegenüber.

Einige Krankenhäuser und Bundesstaaten teilten den Zeitungen zufolge mit, dass Impfstoffe von Pfizer/Biontech SE sowie Moderna erst später in diesem Sommer auslaufen und die Vorräte bisher größtenteils aus J&J-Dosen bestehen würden. Der Impfstoff von Pfizer läuft sechs Monate nach der Herstellung ab. Der Impfstoff von Moderna kann bis zu sechs Monate eingefroren bleiben - sofern er zum Einsatz kommen soll, kann er einen Monat lang gekühlt werden.

Zwischen Lotto und Einkaufsgutscheinen

Die Bemühungen, den J&J-Impfstoff innerhalb des Landes zu verteilen, hatten nur begrenzt Erfolg. Grund dafür: Die Gesamtimpfungen in den USA verlangsamen sich und viele Bundesstaaten und Impfstellen haben selbst ein J&J-Überangebot. Laut Daten des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurde etwas mehr als die Hälfte der ausgelieferten 21,4 Millionen J&J-Dosen verabreicht, verglichen mit 83 Prozent für Moderna sowie Biontech.

Die Covid-19-Impfstoffe werden mit Ablaufinformationen geliefert, die von den Herstellern auf der Grundlage von Testdaten festgelegt werden. Laut Herstellern könnten Impfstoffe auch nach Ablauf des Verfallsdatums noch funktionieren, aber die Daten waren begrenzt, als die Impfstoffe zugelassen wurden. Entsprechend will die US-Regierung nun prüfen, ob das J&J-Vakzin länger eingefroren bleiben könnte. Zudem wird mit aggressiven Bonus-Programmen verstärkt für Impfungen geworben. Die Angebote reichen von Lotterietickets über Einkaufsgutscheine bis hin zu Stipendien.

Die Biden-Regierung würde sich durch die Impfstoff-Verschwendung angreifbar machen, da viele Entwicklungsländer bei der Beschaffung Hilfe erbitten, die USA sich bislang aber wenig aktiv gezeigt haben. Nun kurzfristig umzuschwenken und den Impfstoff rechtzeitig an Entwicklungsländer auszuliefern, ist den Berichten zufolge eine logistische Hürde. Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen sind Entwicklungsländer bei der Verwendung von Impfstoffen nach Ablaufdatum vorsichtig und können sie gar nicht schnell genug verabreichen.

Quelle: ntv.de, mba

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