Panorama

95-Jähriger ist gelandet USA liefern früheren KZ-Wächter aus

imago0081922080h.jpg

Das ehemalige Konzentrationslager Neuengamme: Zehntausende Häftlinge kamen dort und in den Außenlagern ums Leben.

(Foto: imago/Hauke Hass)

Jahrzehntelang lebte der frühere KZ-Wächter Berger unbehelligt im Exil, nun schieben die USA ihn zurück nach Deutschland ab. Am Flughafen Frankfurt nehmen die Behörden den 95-Jährigen in Empfang. Er soll in einem Außenlager des KZ Neuengamme an Morden beteiligt gewesen sein.

Die USA haben einen ehemaligen KZ-Wächter nach Deutschland ausgeliefert. Der 95 Jahre alte Friedrich Karl Berger landete auf dem Frankfurter Flughafen, wie ein Sprecher der Bundespolizei bestätigte. Berger kam den Angaben zufolge am späten Vormittag mit einem Ambulanzflugzeug in Frankfurt an. Die Bundespolizei übergab ihn dem hessischen Landeskriminalamt (LKA) zur Vernehmung.

Ein LKA-Sprecher sagte, es liege ein Vernehmungsauftrag der Generalstaatsanwaltschaft Celle vor. Der Vorwurf laute Beihilfe zum Mord. Nach Angaben von US-Behörden hat Berger gestanden, als Wachmann in einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme nahe dem niedersächsischen Meppen Gefangene bewacht zu haben.

Über Todesfälle war ihm "nichts bekannt"

Über Misshandlungen von Gefangenen oder Todesfälle unter den Häftlingen sei ihm aber nichts bekannt gewesen, sagte er. Berger, dem es offenbar gesundheitlich seinem Alter entsprechend gut geht, war 1959 in den US-Bundesstaat Tennessee gezogen und hatte dort viele Jahre unerkannt gelebt. Erst der Fund von Karteikarten aus der Nazi-Zeit in einem gesunkenen Schiff in der Ostsee führte die Ermittler auf seine Spur.

Im Februar 2020 hatte ein Richter in den USA die Abschiebung angeordnet, im November 2020 lehnte eine Berufungsinstanz den Einwand des Betroffenen ab. Der Mann sei "aktiver Teilnehmer in einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte der Menschheit" gewesen, erklärte ein Vertreter der Einwanderungsbehörde. Die USA böten "Kriegsverbrechern" keinen Schutz. Der US-Staatsanwalt Brian Benczkowski bezeichnete ihn im März 2020 als "Teil der SS-Maschinerie der Unterdrückung".

In der Begründung des Urteils vom Februar hieß es, in dem Außenlager seien unter anderem Juden, Polen, Russen, Dänen, Niederländer, Franzosen und politische Gefangene inhaftiert gewesen. Sie seien im Winter 1945 unter "grauenhaften" Bedingungen interniert gewesen und hätten "bis zur Erschöpfung und zum Tod" arbeiten müssen. Dabei seien "unter unmenschlichen Bedingungen" rund 70 Häftlinge ums Leben gekommen, hieß es weiter.

Im September 2020 hatte die Generalstaatsanwaltschaft Celle die Ermittlungen gegen den Mann übernommen, im Dezember aber "mangels hinreichenden Tatverdachts" wieder eingestellt. Die eingeräumte Bewachung von Gefangenen in einem Konzentrationslager, das nicht der systematischen Tötung der Gefangenen diente, reicht als solche für einen Tatnachweis nicht aus, hieß es damals zur Begründung.

Verfahren könnte wieder aufgenommen werden

Die Ermittlungen hätten Berger "nicht mit einer konkreten Tötungshandlung in Verbindung gebracht". Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Celle sagte, es gehe zunächst darum, die Aussagebereitschaft des Mannes zu klären. Die Verfahrenseinstellung sei "nicht in Stein gemeißelt": Sollte Berger bereit sein, sich zu äußern, könne das Verfahren jederzeit wieder aufgenommen werden.

Berger war im Jahr 1945 als Wächter in einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme eingesetzt. Das KZ Neuengamme war 1938 zunächst als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen gegründet worden. Nach Angaben der KZ-Gedenkstätte Neuengamme wurde es dann 1940 zu einem eigenständigen Konzentrationslager.

Es war demnach bis 1945 das zentrale KZ Nordwestdeutschlands und hatte mehr als 85 Außenlager. Die Häftlinge wurden als Zwangsarbeiter für die Kriegswirtschaft eingesetzt. Mehr als 42.000 Menschen kamen in den Lagern, während der Zwangsarbeit, bei Todesmärschen oder dem Bombardement von KZ-Schiffen ums Leben.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.