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Säugling nur wenige Tage alt Vater muss für tödliche Schläge in Haft

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In Begleitung eines Justizbeamten betritt der Angeklagte den Gerichtssaal in Osnabrück.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kurz nach dem Verlassen der Entbindungsstation schlägt ein Vater seinen wenige Tage alten Sohn tot. Zunächst gibt der Mann an, ein Hund habe den Säugling angefallen. Doch die Ermittler finden schnell die Wahrheit heraus.

Wegen tödlicher Schläge gegen einen erst vier Tage alten Säugling hat das Landgericht Osnabrück den Vater zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Das Gericht habe die Tat als Totschlag gewertet, sagte der Vorsitzende Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 25 Jahre alte Angeklagte hatte nach Überzeugung der Richter im Mai 2018 seinen Sohn beim Waschen im Badezimmer mindestens vier Mal massiv mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen, was letztlich zum Tod führte. Der Mann habe aus Wut und Überforderung heraus gehandelt, weil das Kind beim Waschen herumgezappelt habe.

In der polizeilichen Vernehmung hatte der Vater laut Staatsanwaltschaft erklärt, dass er das schreiende Kind habe ruhig stellen wollen. Die Tat ereignete sich, als Vater und Sohn zum ersten Mal alleine waren. Der Angeklagte hatte das Kind und die Mutter erst vier Stunden vorher aus dem Krankenhaus abgeholt.

Beißattacke stellte sich als Lüge heraus

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen, da die Familie zunächst behauptete, ein fremder Hund habe den Jungen schwer verletzt. Kurz nach der Tat hatte die Polizei noch öffentlich nach Zeugen gesucht, die die angebliche Beißattacke auf das Kind auf einer Wiese neben einer Autobahnauffahrt beobachtet hatten. Einen Tag später stand für die Ermittler fest, dass das Kind keine Bisswunden erlitten hatte, sondern geschlagen wurde. Der Vater gab daraufhin zu, das Kind geschlagen zu haben.

Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, soll die Mutter, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, nichts von der Tat mitbekommen haben. Demnach hielt sich die Frau zunächst im Schlafzimmer auf, anschließend sei sie Einkaufen gegangen.

Wie die Zeitung weiter berichtet, war die Mutter offenbar davon ausgegangen, einer der beiden Hunde des Kindsvaters habe den Säugling angegriffen und verletzt. Weil sie wusste, wie wichtig dem Angeklagten die Tiere waren, sprach auch sie zunächst von der Attacke eines fremden Hundes, um ihren Partner zu schützen.

Schon während der Schwangerschaft hatte das Jugendamt der Stadt Hinweise auf die Familie bekommen. Demnach sei der 25-Jährige schon vorher durch seine Unberechenbarkeit aufgefallen und neige zur Gewalt. Zudem soll dem Jugendamt die langjährige Drogensucht des Angeklagten bekannt gewesen sein.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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