Panorama

Mädchen verschwand vor 36 Jahren Vatikan ermittelt im Vermisstenfall Orlandi

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Von Emanuela Orlandi fehlt seit mehreren Jahrzehnten jede Spur.

(Foto: picture alliance/dpa)

1983 verschwindet Emanuela Orlandi, Tochter eines Vatikan-Angestellten, spurlos. Bis heute schlägt der ungelöste Fall hohe Wellen. 36 Jahre später leitet der Vatikan nun eigene Ermittlungen ein, um herauszufinden, was mit dem Mädchen geschah.

36 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden des Mädchens Emanuela Orlandi hat der Vatikan eigene Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. "Wir erwarten, dass sie ihre Arbeit machen und aufklären, was vor 36 Jahren passiert ist", sagte die Rechtsanwältin der Familie, Laura Sgrò. Der Vatikan habe sie über die Ermittlungen informiert.  

Die damals 15-jährige Emanuela verschwand 1983. Die Tochter eines Vatikan-Hofdieners war nach der Musikschule nicht mehr nach Hause gekommen. Bis heute ist unklar, was mit ihr passierte. Deshalb ranken sich seit Jahrzehnten Gerüchte und Verschwörungstheorien um den Fall. Angehörige hatten zuletzt den Vatikan aufgefordert, ein Grab auf dem deutschen Pilgerfriedhof beim Petersdom zu öffnen.

Im vergangenen Sommer habe es einen Hinweis gegeben, demzufolge Emanuela auf dem Campo Santo Teutonico innerhalb der Vatikan-Mauern begraben worden sein könnte, hatte Anwältin Sgrò im März einer Zeitung gesagt. Im Herbst vergangenen Jahres waren in einem Vatikan-Gebäude Knochen gefunden worden. Schnell wurde von italienischen Medien eine Verbindung zu dem ungelösten Vermisstenfall hergestellt. Untersuchungen ergaben aber, dass diese Knochen viel älter waren.

Richter sieht Zusammenhang mit Papst-Attentat

Anfangs gingen die Ermittler von einem Zusammenhang mit dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 aus. In anonymen Anrufen und Briefen war kurz nach Emanuelas Verschwinden gefordert worden, den Attentäter Ali Agca im Austausch freizulassen. Agca hatte Johannes Paul II. 1981 bei einem Mordanschlag auf dem Petersplatz schwer verletzt. Zu einem Austausch kam es allerdings nicht - wer hinter den anonymen Anrufen und Briefen steckte, wurde nie geklärt.

Auch der für den Agca-Prozess zuständige Richter Ilario Martella hält einen Zusammenhang mit dem Attentat für wahrscheinlich. "Ich denke, dass man mit Sicherheit sagen kann, dass beide Verbrechen von einer gut vernetzten kriminellen Organisation verübt wurden, die mehrmals mit Nachrichten und Mitteilungen auf sich aufmerksam gemacht hat, um den Tausch der Freiheit von Emanuela und der von Agca zu fordern", sagte er vor einigen Jahren dem "Corriere della Sera".

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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