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Brandanschlag in Japan Verdächtiger fühlte sich wohl betrogen

Der Brandanschlag auf ein japanisches Filmstudio ist ein Schock für die Bevölkerung und Anime-Fans weltweit. 33 Menschen kommen ums Leben. Nun hat sich der mutmaßliche Täter zum ersten Mal geäußert.

Der mutmaßliche Brandstifter in Japan, der einen Anschlag auf ein Anime-Filmstudio mit 33 Todesopfern verübte, hat sich Medienberichten zufolge durch die Produktionsfirma betrogen gefühlt. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Ermittlungskreise berichtet, sagte der Festgenommene der Polizei, das Studio habe seine Idee für ein Werk gestohlen.

Ein Mann betet für die Opfer eines Brandanschlag im Studio der Kyoto Animation Co.

Ein Mann betet für die Opfer eines Brandanschlag im Studio der Kyoto Animation Co.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zehn der Opfer im Krankenhaus hätten schwere Verletzungen erlitten, sagte ein Polizeisprecher. Der Verdächtige hatte demnach "eine brennbare Flüssigkeit" in dem Gebäude verteilt und sie angezündet. Dabei soll er Augenzeugenberichten zufolge "Ihr werdet sterben", gerufen haben.

Das Feuer brach gegen 10.30 Uhr Ortszeit aus. Dichter Qualm drang aus den Fenstern des Gebäudes, ein Teil der Fassade war schwarz. Die Feuerwehr war mit 35 Fahrzeugen im Einsatz, nach rund drei Stunden hatte sie den Brand weitgehend gelöscht. Die Leichen wurden nach Behördenangaben im Erdgeschoss, im ersten und zweiten Stock sowie auf einer Treppe zum Dach gefunden. Weitere Studio-Mitarbeiter wurden nicht mehr vermisst.

Die Polizei leitete Ermittlungen ein, sie ging aber von einem Brandanschlag aus. Nach Angaben des Senders NHK wurde der Verdächtige bei dem Anschlag selbst schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Bei ihm handele es sich um einen 41-Jährigen mit Tätowierungen. Bei seiner Festnahme habe er wirre Äußerungen von sich gegeben. Nach dem Brand wurden in den Räumen des Studios Messer gefunden. Ob sie dem mutmaßlichen Täter gehören, war aber zunächst unklar.

"Ich hörte zweimal einen lauten Knall, es hörte sich an wie Explosionen", sagte ein Mann dem Sender NHK. "Das Feuer wütete heftig. Ich sah rote Flammen lodern." Eine 59-Jährige aus der Nachbarschaft berichtete der Nachrichtenagentur Kyodo: "Ein Mensch mit versengtem Haar lag am Boden, und es gab blutige Fußspuren."

"Es ist unerträglich"

Das Motiv für die Tat war zunächst unklar. Laut dem Direktor von Kyoto Animation, Hideaki Hatta, hatte das Unternehmen "Morddrohungen per E-Mail" bekommen. Weitere Details nannte er nicht. Das Gebäude sei "das Herz des Unternehmens" gewesen, sagte Hatta. "Es ist unerträglich, dass diejenigen, die Japans Animationsindustrie repräsentierten, verletzt wurden oder ihr Leben verloren haben."

Kyoto Animation ist für eine Reihe von Zeichentrick-Filmen für das Fernsehen wie etwa Munto, Lucky Star und K-ON! bekannt. Die Firma besitzt zwei Studios und betreibt auch eine Zeichentrickfilm-Schule. Sie beschäftigt rund 160 Mitarbeiter, die Firmenzentrale hat ihren Sitz in der Stadt Uji in der Region Kyoto Japans Regierungschef Shinzo Abe zeigte sich entsetzt. "Es ist so schrecklich, dass mir die Worte fehlen", erklärte er auf Twitter. "Ich bete für die Verstorbenen."

Online-Spendenaktion gestartet

Andere Zeichentrick-Firmen äußerten sich ebenfalls schockiert und sicherten Unterstützung zu. "Warum, warum, warum?", schrieb ein ehemaliger Mitarbeiter von Kyoto Animation. Bei einer Online-Spendenaktion einer amerikanischen Zeichentrick-Lizenzfirma kamen noch am selben Abend mehr als 220.000 Dollar (196.000 Euro) zusammen. Japan ist weltweit für seine Zeichentrickfilme berühmt.

In dem Land sind Gewaltverbrechen vergleichsweise selten. Brandanschläge werden in Japan, wo viele Menschen in Holzhäusern leben, hart bestraft. Sogar die Todesstrafe kann verhängt werden. Ein Mann, der 2008 in Osaka ein Feuer in einem Videoverleih gelegt und 16 Menschen getötet hatte, wartet derzeit auf die Vollstreckung seines Todesurteils.

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Quelle: n-tv.de, ahe/dpa/AFP

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